Mit die wichtigste Aufgabe, die der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit zukommt, ist die Vorbereitung der Anhörung des/der Geflüchteten durch das BAMF. In der Anhörung muss der/die Geflüchtete in der Lage sein, seine/ihre Fluchtgründe und die Angst, in das Heimatland zurückzukehren, in Worte zu fassen. Das ist oft sehr schwer. Geflüchtete haben oft noch nie darüber gesprochen, was sie erlitten haben. Ehrenamtliche, die sich Zeit nehmen, Vertrauen aufzubauen, sollten dem/der Geflüchteten verdeutlichen, worauf es ankommt in dieser so wichtigen Anhörung. Sie können dabei helfen, eine eigene Sprache für ihr oder sein Leid zu entwickeln und zu finden.  

Wichtig! Wovon allerdings nur abgeraten werden kann, ist für Geflüchtete in deutscher Sprache eine schriftliche Stellungnahme abzufassen und dem BAMF zuzuschicken. Solche Stellungnahmen ersetzen nie die mündliche Anhörung und sind erfahrungsgemäß eine große Fehlerquelle, wenn der/die Geflüchtete in seiner/ihrer Sprache Dinge dann doch anderes formuliert, als es der/die deutsche Betreuer*in getan hat.


Eine weitere wichtige Hilfestellung im laufenden Verfahren kann in medizinischen Fragen geleistet werden. Den meisten Geflüchteten ist nicht bewusst, dass im Asylverfahren beim BAMF wegen § 60 Vll AufenthG auch medizinisch begründete Abschiebungshindernisse zu einem Abschiebungsschutz führen können. Der/die Geflüchtete hat dabei die volle Beweislast, muss also dem BAMF aussagekräftige qualifizierte ärztliche Bescheinigungen vorlegen, die den gesetzlichen Maßstäben des § 60 a II c) AufenthG entsprechen. Da Geflüchtete aber gemäß § 4 AsylbLG nur sehr eingeschränkten Krankenversicherungsschutz genießen, ist es oft schwierig, ein gutes und den gesetzlichen Standards genügendes Attest zu bekommen. 

Wichtig! Ehrenamtliche Unterstützer*innen können hier helfen, gegenüber Ärzt*innen die Notwendigkeit eines solchen Attestes zu erläutern.


Schließlich sollte die derzeit oft sehr lange Zeit der Verfahren genutzt werden, um Integrationsfortschritte anzustoßen und zu begleiten. Hat der/die Geflüchtete im Heimatland bereits schulische Qualifikationen erworben? Dann sollte man prüfen, ob und gegebenenfalls inwieweit diese in Deutschland anzuerkennen sind. Liegt ein Ausbildungsplatzangebot vor, verfügt der/die Geflüchtete aber noch nicht über ausreichende Deutschkenntnisse? Hier gibt es eine Fülle von Fördermöglichkeiten durch die örtlichen Agenturen für Arbeit, bei denen im Rahmen von sogenannten Einstiegsqualifikationsmaßnahmen Geflüchtete über spezielle Sprachkurse und Praktika an bestimmte Berufsfelder herangeführt werden können. Hierbei können Ehrenamtliche eine wertvolle, verfahrensbegleitende Lotsenfunktion vor Ort wahrnehmen.   

Welche Tipps und Hinweise für die Begleitung während des Asylverfahrens Jens Dieckmann, Rechtsanwalt und Experte für Asylrecht, für Sie als Ehrenamtliche*r hat und wie die oben angesprochene Lotsenfunktion aussieht, können Sie sich in diesem Video ansehen.

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