Fluchtursache: Mangelnde Ernährungssicherheit

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Sowohl umweltbedingte Dürren und Missernten als auch durch Menschenhand zerstörte Felder und Lebensgrundlagen lassen Menschen hungern und ums Überleben kämpfen. Aber ist Hunger ein anerkannter Fluchtgrund? Erfahren Sie es hier.

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Hunger weltweit


Infografik zur Anzahl der weltweit hungernden Menschen. © Welthungerhilfe

Täglich leiden weltweit mehr als 800 Millionen Menschen unter Hunger. Wie die Grafik zeigt, ist durchschnittlich jeder 9. Mensch auf der Welt betroffen. 

Um auf diese humanitäre Katastrophen aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen zwei internationale Gedenktage ins Leben gerufen: Den Welternährungstag (auch Welthungertag genannt) am 16. Oktober und den Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober.

Die Interaktive Karte "Hunger in der Welt", basierend auf den Daten des Welthunger-Index 2018, gibt einen detaillierten Einblick in die Länder, in denen Menschen auf der Welt am meisten hungern. Klicken Sie hier, um zu der Karte zu gelangen. 

Wie hängen Krieg, Gewalt und Hunger zusammen?

Was haben Umwelt und Klima mit Hunger zu tun?

Auch Klimawandel und Umweltschäden gefährden in vielen Regionen der Welt die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung. Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Erdrutsche oder verheerende Stürme vernichten Ernten und Anbauflächen und können Lebensmittelknappheiten zur Folge haben. Wasser wird in vielen Regionen (vor allem Afrikas) immer knapper. Regenzeiten verschieben sich und werden weniger verlässlich. Dürre und Versteppung sind Grund für schlechte Ernten. 

In vielen Ländern, darunter Südsudan, Jemen, Nigeria und Somalia, leiden die Menschen unter einer Hungersnot. 

Insgesamt befinden sich rund 20 Millionen Menschen in diesen Ländern in Regionen, die direkt von einer Dürre betroffen sind; darunter sind 4,2 Millionen Geflüchtete. 

Millionen Menschen sind akut vom Tod bedroht, denn unter- oder mangelernährt sind sie extrem krankheitsanfällig. Infektionen wie Durchfall, Malaria oder Tuberkulose können lebensbedrohlich werden. Vor allem Kindern droht der Tod durch akute Unterernährung.  

Mehr zum Klimawandel als Fluchtgrund erfahren Sie in der nächsten Lektion.

Mangelnde Ernährungssicherheit am Horn von Afrika

Wenn es nicht genügend Lebensmittel gibt, sei es wegen einer Dürre oder Krieg, müssen Familien ihre Heimat verlassen, um zu überleben. Unser Experte Dr. Florian Pfeil berichtet uns in dem folgenden Video über die aktuelle Hungersnot in Somalia. Schauen Sie rein.

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Hunger auf der Flucht

Keine Vorräte

Werden Menschen aus ihren Häusern und Dörfern vertrieben, bleibt oftmals kaum Zeit, Vorräte einzupacken. Auf der Flucht leiden viele Geflüchtete und Binnenvertriebene unter Mangelernährung oder Hunger. Hungerkrisen in der Heimatregion kommen hinzu, sodass viele sich bereits geschwächt und krank auf den Weg machen. Für diese Menschen ist die Flucht, mit tagelangen Märschen in großer Hitze oder bei stundenlangen Regenfällen, eine enorme Strapaze, die sie oft nicht überleben. 

© UNHCR

Versorgung in Flüchtlingscamps

Menschen, die in Flüchtlingscamps ankommen, haben oft wochenlang keine richtige Nahrung mehr zu sich genommen und kämpfen nicht selten ums Überleben. Vor allem Kindern droht der Tod durch akute Unterernährung. 

In den Flüchtlingscamps erhalten sie von Hilfsorganisationen Nahrungsmittel, vor allem vom UN-Welternährungsprogramm (WFP). Der UNHCR, finanziell unterstützt von seinem Partner UNO-Flüchtlingshilfe, steuert spezielles Essen (z.B. energiereiche Pasten) für gefährdete Gruppen bei und kümmert sich außerdem um die medizinische Versorgung von unterernährtem Flüchtlinge in besonderen Ernährungsprogrammen. Doch immer öfter fehlen auch in dort ausreichende Nahrungsmittel, sodass die Rationen für die Geflüchteten gekürzt werden müssen oder nur eine sehr einseitige Ernährung möglich ist. Die Menschen sind auf Dauer anfällig für Infektionskrankheiten wie Durchfall, Malaria oder Tuberkulose.   

Ist Hunger ein Fluchtgrund?

Obwohl Menschen, die unter Hunger leiden, oftmals zur Flucht gezwungen sind, um zu überleben, ist Hunger nach völkerrechtlicher Definition in der Flüchtlingskonvention kein anerkannter Fluchtgrund und reicht somit nicht aus, um einen anerkannten Flüchtlingsstatus zu erhalten! Nur gesetzlich anerkannte Fluchtgründe können Geflüchtete wiederum als Fluchtgrund geltend machen.

Und doch hängen Hunger und Flucht eng zusammen. Hunger und Armut, sei es durch Krieg und Gewalt oder durch klimatische Veränderungen hervorgerufen, können Konflikte auslösen, welche die Menschen wiederum zur Flucht zwingen. 

Hier erfahren Sie mehr darüber, welche Fluchtgründe vor dem Asylgesetz anerkannt werden und welche nicht.


Wichtig! Fehlen den Familien Einkommensmöglichkeiten und gehen die Vorräte zur Neige, sind die Menschen gezwungen, in andere Regionen abzuwandern, um ihr Überleben zu sichern und nicht zu verhungern. Aber nur, wenn Krieg, Gewalt oder Diskriminierung ihr Leben bedroht, können sie dies als Fluchtgrund geltend machen. 


Kleiner Exkurs: Was soll der Begriff „Wirtschaftsflüchtling“ uns sagen?

Was ist mit dem Begriff des „Wirtschaftsflüchtlings“ gemeint? Und wie grenzt sich dieser von dem Begriff des „Armutsflüchtlings“ ab? Wir haben unsere Experten Dr. Florian Pfeil und Dr. Oliver Piecha, dazu befragt.

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Weiterführendes Material

Die Interaktive Karte "Hunger in der Welt", basierend  auf den Daten des Welthunger-Index 2018, gibt einen detaillierten Einblick, wo auf der Welt Menschen am meisten hungern.  

Auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) finden Sie das lesenswerte Kurzdossier Umwelt- und Klimamigration: Begriffe und Definitionen. Schauen Sie rein.



Autorenbild

Diese Themenwelt ist entstanden in Kooperation mit der UNO-Flüchtlingshilfe. Als nationaler Partner des UNHCR mobilisiert die UNO-Flüchtlingshilfe die Menschen in Deutschland, um die weltweite, lebensrettende Arbeit des UNHCR finanziell zu unterstützen. Sie fördert Projekte für Geflüchtete in Deutschland und trägt durch Informationsarbeit über Flucht, Fluchtursachen und -schicksale zur Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft bei.  

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