Wie funktionieren der Staat und das Zusammenleben in Afghanistan?

Das Leben vieler Menschen wird insbesondere auf dem Land kaum von staatlichen Strukturen berührt. Im ländlichen Milieu, aber auch in den Städten, verknüpfen die meisten Menschen den Staat vor allem mit Besteuerung, Abgaben, Beamtenwillkür und Korruption. Andererseits wünschen sich viele Afghaninnen und Afghanen einen starken Staat. Dieses zwiespältige Verhältnis gegenüber dem Staat wird unter Umständen von Geflüchteten in die neue Heimat mitgenommen und nur langsam abgelegt.

Der Durchsetzungskraft des Staates sind in Afghanistan aufgrund der Geographie und der starken Ausprägung von Einzelinteressen enge Grenzen gesetzt. Denn in zahlreichen Provinzen und Distrikten, in die der afghanische Staat aufgeteilt ist, identifizieren sich die Menschen mit den Talschaften (das heißt ländliche Verbände in Gebirgsgegenden), Stämmen, verschiedenen Volksgruppen und religiösen Gemeinschaften. Aus diesem Grund war die Zentralmacht stets auf die Zusammenarbeit mit Stammesführern, Großgrundbesitzern, Dorfvorstehern und religiösen Würdenträgern angewiesen. Mit dem seit 1978 einsetzenden Krieg wurde diese dörfliche Oberschicht teilweise durch militärische Anführer ersetzt. Die lokalen Eliten banden die landlose Bevölkerung in eine Ordnung ein, die auf Austausch (zum Beispiel Kredite und Land gegen Arbeitskraft) und Loyalität basierte. Die Bedeutung persönlicher Kontakte oder Abhängigkeitsverhältnisse zu einflussreichen Personen ist daher hoch.
 

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