Eritrea

Unterdrückung, die Missachtung von Menschenrechten und ein mangelhaftes Gesundheitssystem prägen das Leben der Eritreerinnen und Eritreer. Durch den militärischen Zwangsdienst werden sie sehr weitreichend an einer freien Lebensgestaltung gehindert. Der Machtapparat Eritreas reicht über die Landesgrenzen hinaus. Wie sich dies auf das Verhalten von manchen eritreischen Geflüchteten auswirken kann, erklären wir Ihnen in dieser Lektion.

Quiz „Vier Fakten und eine Lüge“ – Eritrea

Was wissen Sie bereits über Eritrea? Welche der folgenden Aussagen ist falsch? Wählen Sie aus.

Geflüchtete aus Eritrea

Anzahl der Asylanträge, die 2017 in Deutschland gestellt wurden:
10.582 (Stand Dezember 2017, Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge)
Hauptaufnahmeländer:
u.a. Äthiopien und Sudan (Quelle: UNHCR – The UN Refugee Agency)  
Anzahl der Binnenvertriebenen:
Keine Angaben möglich. 
Wird Eritrea als sicheres Herkunftsland eingestuft?
Eritrea ist derzeit kein sicheres Herkunftsland. Es ist sehr wahrscheinlich, dass vielen Eritreer*innen bei einer Rückkehr in ihr Land eine Verfolgung, Misshandlung oder Inhaftierung drohen würde. 

Eritrea ist eine Diktatur – Was bedeutet das für die Menschen vor Ort?

Eritrea, das sich 1993 von Äthiopien unabhängig erklärte, gilt als ein Land, in dem Menschen stark unterdrückt werden und in dem ihre Menschenrechte von staatlichen Institutionen immer wieder verletzt werden. Die Macht wird von einer Partei alleine ausgeübt, das Parlament ist seit knapp 20 Jahren ausgeschaltet und es gibt keine Pressefreiheit. Staatspräsident Isaias Afwerki, der seit 1993 im Amt ist, hat eine Diktatur aufgebaut und die uneingeschränkte Macht im Staat inne. Unser Experte Dr. Florian Pfeil erklärt im Video, durch welche Maßnahmen die Eritreer*innen unterdrückt werden und wieso viele ihr Heimatland verlassen.   

Im Juli 2018 kam es zu einer Annäherung zwischen Eritrea und Äthiopien: Nachdem zunächst die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen wurden, unterzeichneten die Präsidenten beider Länder einen Friedens- und Freundschaftsvertrag. Dies kann als positives Signal gewertet werden – es bleibt aber abzuwarten, wie sich diese Entwicklung auf die Innenpolitik Eritreas auswirkt und ob sie womöglich zu einer Verbesserung der Menschenrechtslage in dem Land beiträgt. Derzeit ist dies noch nicht ersichtlich. Weiterführende Informationen über die Menschenrechtslage in Eritrea finden Sie auf der Webseite von Amnesty International. Wie das Land unabhängig wurde und wie die politische Situation sich seitdem entwickelt, können Sie in diesem Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung nachlesen.  

Wie beeinträchtigt der „National Service“ in Eritrea die Chancen auf Schulbildung und Berufsaufnahme?

In Eritrea bestehen große Schwierigkeiten, allen Kindern und Jugendlichen im Land – und vor allem Jungen und Mädchen gleichermaßen – eine Schulbildung zu ermöglichen. Laut dem Kinderhilfswerk UNICEF besuchen mehr als ein Viertel der Kinder im schulpflichtigen Alter keine Schule – unter den Kindern, die in Nomadenfamilien aufwachsen, sind es sogar 31 Prozent. In ländlichen Regionen Eritreas ist es deutlich schwieriger beziehungsweise unwahrscheinlicher, dass die dort lebenden Kinder eine Schule besuchen können. Außerdem gibt es laut UNICEF großen Verbesserungsbedarf bei der Qualität des Schulunterrichts. Hinzu kommt, dass relativ viele eritreische Kinder und Jugendliche vorzeitig die Schule abbrechen: Die Quote liegt bei etwa 50 Prozent. 

Zudem müssen alle jungen Eritreer*innen zum Ende ihrer Schullaufbahn, im zwölften Schuljahr, eine militärische Ausbildung im Sawa Militärcamp absolvieren. Diese beinhaltet ein sechsmonatiges militärisches Training. Laut eines Berichts des amerikanischen Arbeitsministeriums kann dieser sogenannte National Service aber auch Zwangsdienst in landwirtschaftlichen Einrichtungen der Regierung, in Minen oder – das betrifft meist Frauen – im hauswirtschaftlichen Bereich von Trainingszentren umfassen. Auch wenn dieser militärische Zwangsdienst laut Angaben der eritreischen Regierung auf 18 Monate angelegt ist, dauert er in vielen Fällen deutlich länger – teils Jahre oder gar Jahrzehnte. Geflüchtete berichten von schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen wie Folter oder sexueller Versklavung im Rahmen dieses Zwangsdienstes. 

Ohne ein schriftliches Zertifikat, dass dieser Zwangsdienst absolviert wurde und der/die Betroffene daraus endgültig entlassen wurde, ist es zudem kaum möglich, beispielsweise ein Geschäft anzumelden, einen Führerschein zu erwerben oder ein Hochschulstudium abzuschließen. Somit werden viele junge Eritreerinnen und Eritreer durch die nicht planbare Dauer ihres militärischen Zwangsdienstes erheblich daran gehindert oder sogar davon abgehalten, ihren Berufsweg selbst zu bestimmen und voranzutreiben. 

Weiterführende Informationen zum Berufsbildungs- und Hochschulsystem Eritreas finden Sie in einem Bericht der internationalen DAAD-Akademie sowie auf dem Informationsportal für ausländische Berufsqualifikationen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Wie steht es um die Gesundheitsversorgung in Eritrea?

Die medizinische Versorgung und ausreichende Zufuhr von wichtigen Mineralstoffen, insbesondere für Säuglinge und Kinder, ist nach Angaben von UNICEF nicht überall im Land gewährleistet. Das Kinderhilfswerk geht davon aus, dass circa die Hälfte der eritreischen Kinder unter fünf Jahren unterernährt ist.  

Obwohl die Kindersterblichkeit (bei Kindern unter fünf Jahren) im letzten Jahrzehnt kontinuierlich leicht gesunken ist, liegt sie mit einer Quote von 44,5 Prozent (bei 1.000 Geburten) immer noch relativ hoch. Im Vergleich: In Deutschland liegt diese Quote bei 3,8. Dieser Umstand ist auch darauf zurückzuführen, dass laut UNICEF nur etwa ein Drittel der Geburten von Hebammen oder adäquat geschultem, medizinischem Personal begleitet werden. Dies stellt sowohl für die Mütter, als auch für die (ungeborenen) Kinder eine Gefährdung dar.  

Aber auch insgesamt ist die Gewährleistung medizinischer Versorgung in Eritrea äußerst schwierig: Laut Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es pro 10.000 Einwohner*innen in städtischen Gebieten nur zwei Ärztinnen bzw. Ärzte, in ländlichen Regionen liegt die Quote sogar nur bei 0,1 Ärztinnen bzw. Ärzte pro 10.000 Einwohner*innen. Zudem haben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO nur etwa 60 Prozent der eritreischen Bürgerinnen und Bürger Zugang zu sauberem Trinkwasser (Stand 2015). Die durchschnittliche Lebenserwartung von Eritreerinnen und Eritreern liegt bei 65 Jahren. 

Warum begegnen Eritreer*innen Ihnen möglicherweise mit Vorsicht und Zurückhaltung?

Die Gründe, weshalb Eritreer*innen sich möglicherweise vorsichtig und zurückhaltend verhalten, hängen häufig mit den politischen Rahmenbedingungen und den Überwachungsmechanismen in ihrem Heimatland zusammen. Unser Experte Dr. Florian Pfeil erklärt uns diese Verknüpfung im Video genauer. Außerdem hat er eine Empfehlung, wie Ehrenamtliche mit dieser Zurückhaltung umgehen können und in welchen Punkten sie Geflüchtete aus Eritrea gut unterstützen können.  

„Eritrea funktioniert nicht wie ein normales Land“

PRO ASYL sprach mit Filmon Debru, einem von weltweit fast 500.000 eritreischen Flüchtlingen, über die Lage in Eritrea:   

„Die Situation in Eritrea […] ist grausam, aber in der EU denkt man, die Flüchtlinge sind Immigranten, die für ein besseres Leben, für Geld, hierherkommen. Ganz ehrlich: Ich hatte genug Geld, dort wo ich war. […] Meine persönliche Freiheit war ein Grund. Ich wollte sicher sein, dass ich am nächsten Tag noch aufwache und zur Arbeit gehen kann, ohne mir Sorgen zu machen, dass es der letzte meines Lebens sein wird.“   

Das ganze Interview finden Sie hier. 


Sie haben Eritrea nun anhand von vier „Schlaglichtern“ ein wenig kennengelernt. Was können Sie als Hintergrundinformationen für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit mitnehmen?
Eritrea ist eine Diktatur, die Bevölkerung wird unterdrückt und Menschenrechte missachtet. Ob sich durch den kürzlich besiegelten Friedensschluss mit dem Nachbarn Äthiopien die Verhältnisse für die Eritreer*innen bessern, bleibt abzuwarten.
Die Chancen junger Eritreerinnen und Eritreer, die Schule abzuschließen und bald darauf einen Beruf aufzunehmen, werden durch die Pflicht zum sogenannten National Service stark beeinträchtigt. Viele müssen jahrelang Zwangsarbeit für den Staat leisten.
Die Gesundheitsversorgung in Eritrea hat sich zwar in den vergangenen Jahren leicht verbessert. Jedoch ist der Zugang zu medizinischer Betreuung immer noch für viele Menschen stark erschwert und die Kindersterblichkeit sehr hoch.
Wenn Eritreer*innen sich möglicherweise vorsichtig und zurückhaltend verhalten, hängt dies häufig mit den politischen Rahmenbedingungen und den Überwachungsmechanismen in ihrem Heimatland und in Deutschland zusammen.

Weiterführendes Material

Weitere Hintergrundinformationen über Eritrea bietet ein Kurzdossier der Schweizer Flüchtlingshilfe. Ebenfalls zu empfehlen ist ein Themenpapier dieser Organisation zum Thema Zwangsdienst. Eine umfangreiche, vertiefende Lektüre ermöglicht zudem die Broschüre „Eritrea: Ein Land im Griff einer Diktatur – Desertion, Flucht & Asyl“, die vom Förderverein PRO ASYL herausgegeben wurde.


Wie sind Ihre Erfahrungen?
Welche Erfahrungen haben Sie mit Geflüchteten aus Eritrea gemacht? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns und schreiben Sie Ihre Antwort in die Kommentare.



Autorenbild

Magda Langholz ist Referentin für Redaktion im Team des vhs-Ehrenamtsportals. Sie hat ein Studium der Politikwissenschaft abgeschlossen und ist seit mehreren Jahren auch in der Politischen Bildung tätig. Unterstützt wurde sie bei der Texterstellung dieser Lektion durch die fachliche Expertise von Dr. Florian Pfeil.  

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