Wie beeinträchtigt der „National Service“ in Eritrea die Chancen auf Schulbildung und Berufsaufnahme?

In Eritrea bestehen große Schwierigkeiten, allen Kindern und Jugendlichen im Land – und vor allem Jungen und Mädchen gleichermaßen – eine Schulbildung zu ermöglichen. Laut dem Kinderhilfswerk UNICEF besuchen mehr als ein Viertel der Kinder im schulpflichtigen Alter keine Schule – unter den Kindern, die in Nomadenfamilien aufwachsen, sind es sogar 31 Prozent. In ländlichen Regionen Eritreas ist es deutlich schwieriger beziehungsweise unwahrscheinlicher, dass die dort lebenden Kinder eine Schule besuchen können. Außerdem gibt es laut UNICEF großen Verbesserungsbedarf bei der Qualität des Schulunterrichts. Hinzu kommt, dass relativ viele eritreische Kinder und Jugendliche vorzeitig die Schule abbrechen: Die Quote liegt bei etwa 50 Prozent. 

Zudem müssen alle jungen Eritreer*innen zum Ende ihrer Schullaufbahn, im zwölften Schuljahr, eine militärische Ausbildung im Sawa Militärcamp absolvieren. Diese beinhaltet ein sechsmonatiges militärisches Training. Laut eines Berichts des amerikanischen Arbeitsministeriums kann dieser sogenannte National Service aber auch Zwangsdienst in landwirtschaftlichen Einrichtungen der Regierung, in Minen oder – das betrifft meist Frauen – im hauswirtschaftlichen Bereich von Trainingszentren umfassen. Auch wenn dieser militärische Zwangsdienst laut Angaben der eritreischen Regierung auf 18 Monate angelegt ist, dauert er in vielen Fällen deutlich länger – teils Jahre oder gar Jahrzehnte. Geflüchtete berichten von schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen wie Folter oder sexueller Versklavung im Rahmen dieses Zwangsdienstes. 

Ohne ein schriftliches Zertifikat, dass dieser Zwangsdienst absolviert wurde und der/die Betroffene daraus endgültig entlassen wurde, ist es zudem kaum möglich, beispielsweise ein Geschäft anzumelden, einen Führerschein zu erwerben oder ein Hochschulstudium abzuschließen. Somit werden viele junge Eritreerinnen und Eritreer durch die nicht planbare Dauer ihres militärischen Zwangsdienstes erheblich daran gehindert oder sogar davon abgehalten, ihren Berufsweg selbst zu bestimmen und voranzutreiben. 

Weiterführende Informationen zum Berufsbildungs- und Hochschulsystem Eritreas finden Sie in einem Bericht der internationalen DAAD-Akademie sowie auf dem Informationsportal für ausländische Berufsqualifikationen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

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