Die Welt der Berufe – Der Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in Deutschland

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Welche Arbeitsformen, Ausbildungswege und Berufe gibt es in Deutschland und wie ist die derzeitige Situation der Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt? Wo findet man Unterstützung, wenn man Schwierigkeiten mit dem Arbeitgeber hat? In dieser Lektion erhalten Sie einen Einblick in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt Deutschland sowie Hinweise zu weiterführenden Informationen und Beratungsangeboten.

Der deutsche Arbeits- und Ausbildungsmarkt bietet unzählige berufliche Wege. Nicht jeder ermöglicht jedoch auch langfristig eine sichere Einkommensgrundlage und gute Arbeitsbedingungen. Für geflüchtete Menschen ohne (anerkannten) Schulabschluss oder (anerkannte) Ausbildung ist das Risiko, in eine prekäre Arbeits- und Lebenslage zu geraten, besonders hoch. Zugleich möchten viele Menschen aufgrund ihrer Lebensumstände, fehlender Kenntnisse des Arbeitsmarktes und in der Hoffnung, möglichst bald ein unabhängiges Leben führen zu können, schnell „eigenes Geld“ verdienen.

Eine Ausbildung und ggf. die zusätzliche Teilnahme an ausbildungsvorbereitenden Kursen erfordern zunächst einen längeren Atem, erhöhen für die Geflüchteten jedoch erheblich die Chance, sich und die eigene Familie auf Dauer selbst versorgen zu können. Ein gesicherter Ausbildungs- oder Arbeitsplatz und zuverlässige soziale Kontakte vereinfachen darüber hinaus das weitere Erlernen der Sprache und die über den Beruf hinausgehende gesellschaftliche Teilhabe.

Als Ehrenamtliche*r können Sie unterstützend wirken, indem Sie über die bestehenden Arbeitsformen und Ausbildungswege aufklären und insbesondere die mit ihnen verbundenen langfristigen Chancen bzw. Risiken für die eigene Lebensgestaltung verdeutlichen.

Welche Arbeitsformen gibt es und welche Vor- und Nachteile haben sie?

Sofern die jeweiligen rechtlichen Bedingungen erfüllt sind, stehen Geflüchteten grundsätzlich die gleichen Arbeitsformen offen wie anderen Bewerber*innen. Diese sind insbesondere:

Informationen über Existenzgründung, Zeitarbeit und Minijobs erhalten Sie hier:

Geflüchtete auf dem Arbeitsmarkt

Aufgrund vielfältiger Anforderungen am Arbeitsmarkt und mangelnder Kenntnisse hinsichtlich der eigenen Rechte sind Geflüchtete besonders gefährdet, auf Dauer in prekären, d.h. gering entlohnten und niedrig qualifizierten Beschäftigungsverhältnissen zu arbeiten.

Nach einem Bericht des Deutschen Gewerkschaftsbundes von Juni 2019 befindet sich mehr als ein Drittel der Geflüchteten, die seit 2015 in Deutschland leben, in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis, 48% von ihnen üben jedoch eine Tätigkeit im Helferbereich aus (im Vergleich zu 15% bei der Gesamtbevölkerung) und ein Großteil arbeitet deutlich unter dem eigenen Qualifikationsniveau. Der größte Anteil der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen und die meisten Abgänge aus der Arbeitslosigkeit entfallen zudem auf die Leiharbeit, wie folgende Grafik der Bundesagentur für Arbeit zeigt.



Laut dem Bericht des Deutschen Gewerkschaftsbundes sind die mittleren Bruttogehälter von Arbeitnehmer*innen in Vollzeit aus Asylherkunftsländern mit ca. 1.900,- Euro um ca. 43% niedriger als die aller abhängig Beschäftigten in Vollzeit.

Welche Ausbildungswege sind möglich?

In Deutschland gibt es ein breites Spektrum an Ausbildungsmöglichkeiten. Dabei besteht die Wahl zwischen dualer (betrieblicher) und schulischer Ausbildung. Die wichtigsten Unterschiede sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst:

Die Bundesagentur für Arbeit gibt einen Überblick über weitere Ausbildungswege, wie zum Beispiel Beamtenausbildungen oder sogenannte „Abiturientenausbildungen“. Das Video „Berufsausbildung in Deutschland“ der Bundesgentur für Arbeit richtet sich an junge Geflüchtete und informiert über die Möglichkeiten der Berufsausbildung. Es ist in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch verfügbar.

Ausbildungsberufe mit ein- oder zweijähriger Ausbildungszeit

Für Personen, die einen schnelleren Zugang zum Arbeitsmarkt finden möchten oder sich aufgrund ihrer Voraussetzungen (zum Beispiel geringe Lernerfahrungen oder mangelnde Sprachkenntnisse) eine längere Ausbildung zunächst nicht zutrauen bzw. es schwerer haben, eine Stelle zu finden, gibt es das Angebot einer theoriereduzierten einjährigen oder zweijährigen Ausbildung. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung verbessern sich die Chancen am Arbeitsmarkt und zugleich gibt es häufig die Möglichkeit, die Ausbildung in einem verwandten drei(einhalb)jährigen Beruf fortzusetzen. Die verkürzten Ausbildungsgänge werden in unterschiedlichen Branchen angeboten, bei einjährigen Ausbildungen handelt es sich zumeist um schulische Ausbildungen. Je kürzer die Ausbildung dauert, desto geringer sind jedoch die späteren Verdienstmöglichkeiten.

Angebote zur Ausbildungsvorbereitung

Voraussetzung für die Meldung als Ausbildungsstellenbewerber*in bei der Agentur für Arbeit ist die sogenannte Ausbildungsreife, welche ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache und die notwendigen schulischen Voraussetzungen beinhaltet. Für Personen mit mangelnder Ausbildungsreife gibt es verschiedene Angebote zur Ausbildungsvorbereitung. Einige Programme werden speziell für Geflüchtete angeboten. Weitere Informationen finden sich in der Lektion Berufs- und Studienorientierung.


Viele Menschen möchten möglichst schnell und von staatlichen Stellen unabhängig „eigenes Geld“ verdienen. Eine Ausbildung und ggf. die zusätzliche Teilnahme an ausbildungsvorbereitenden Kursen hingegen erfordern einen längeren Atem, erhöhen jedoch erheblich die Chance, sich und die eigene Familie auf Dauer selbst versorgen zu können. Ein gesicherter Ausbildungs- oder Arbeitsplatz und zuverlässige soziale Kontakte vereinfachen darüber hinaus das weitere Erlernen der Sprache und die über den Beruf hinausgehende gesellschaftliche Teilhabe.

Welche Ausbildungs- und Studienberufe gibt es und wo kann man sich informieren?

In Deutschland gibt es derzeit 326 anerkannte Ausbildungsberufe sowie über 18.600 Studiengänge, darunter rund 9.000 Bachelor- und 8.000 Masterstudiengänge.

Für Personen, die bereits wissen, in welchem Beruf sie arbeiten oder eine Ausbildung machen möchten, bieten die unten aufgeführten Internetseiten umfangreiche Informationen zu allen in Deutschland bestehenden Ausbildungs- und Studienberufen und ihren jeweiligen Zugangsvoraussetzungen. Darüber hinaus bieten die örtlichen Berufsinformationszentren (biz) der Arbeitsagenturen eine Vielzahl an Informationsmaterialien.

Angebote für Personen, die noch keine genauen Vorstellungen haben und sich beruflich noch orientieren möchten, werden in der Lektion Berufs- und Studienorientierung vorgestellt.



Weiterführende Informationen zu Ausbildungsberufen und Studienberufen haben wir hier für Sie zusammengestellt:


Ausbildungs- und Studienberufe

  • Auf https://berufenet.arbeitsagentur.de sind Informationen über alle Ausbildungs- und Studienberufe zu finden. Die Suche ist unter anderem nach Berufsfeldern, Ausbildungsberufen, Studienfeldern oder reglementierten Berufen möglich.
  • Das Filmportal http://www.berufe.tv/ sowie die App http://www.berufe.tv/apps/ der Agentur für Arbeit stellen mehr als 350 Filme über Ausbildungs- und Studienberufe zur Verfügung, auch mit englischen Untertiteln.

Studienberufe

Ausbildungsberufe

Wie man eine Ausbildung finden kann, wird im Film des Flüchtlingsrats Thüringen anschaulich dargestellt. Die Videos sind hier in mehreren Sprachen verfügbar.

Fachkräftemangel: In welchen Berufen stehen die Chancen besonders gut?

Nach Angaben der Agentur für Arbeit besteht ein Fachkräftemangel vor allem in einzelnen technischen Berufsfeldern, in Bauberufen sowie in Gesundheits- und Pflegeberufen. Berufe, für die es in Deutschland nicht genügend Fachkräfte gibt, so dass relativ gute Chancen bestehen, eine Stelle zu finden, werden in einer sogenannten Positivliste aufgeführt.

Der interaktive Fachkräfteradar und der Ausbildungsmarktradar der Agentur für Arbeit zeigen für alle (Ausbildungs-)Berufe und Regionen in Deutschland das aktuelle Verhältnis von ausgeschriebenen (Ausbildung-)Stellen und Bewerber*innen.

Am 1. März 2020 ist das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft getreten mit dem Ziel, eine gezielte Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern zu ermöglichen. Was verändert sich nach dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz? Alle wichtigen Neuerungen zu den Themen Visum, Anerkennung und Ausbildung erfahren Sie in diesem Erklärvideo.

Alternativen zur Ausbildung

Wenn die Suche nach einer Ausbildungsstelle zunächst nicht erfolgreich ist, gibt es verschiedene Wege, mit welchen sich die Zeit bis ins nächste Ausbildungsjahr überbrücken lässt. Gute Möglichkeiten sind:

  • Der Besuch eines Kurses zur Ausbildungsvorbereitung: Informationen hierzu finden sich in der Lektion Berufs- und Studienorientierung.
  • Die Absolvierung freiwilliger Praktika
  • Die Teilnahme an einem Freiwilligendienst wie dem Freiwilligen Sozialen oder Ökologischen Jahr (FSJ/FÖJ) ist auch für Geflüchtete möglich. Voraussetzung ist eine Beschäftigungserlaubnis, das Taschengeld wird auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz angerechnet. Welcher Mehrwert ein ehrenamtliches Engagement für Geflüchtete hat, erfahren Sie in der Lektion Geflüchtete ins Ehrenamt begleiten in der Themenwelt „Alltag in Deutschland meistern und gestalten".
  • Berufsbezogene Aushilfstätigkeiten: Hier lassen sich Erfahrungen sammeln und Kontakte knüpfen, die für die Stellensuche hilfreich sein können. Wichtig ist jedoch, dass die Tätigkeit in einem Bereich liegt, der den beruflichen Interessen entspricht.


● Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt in Deutschland bietet viele verschiedene berufliche Wege, nicht alle ermöglichen auch langfristig ein sicheres Einkommen und gute Arbeitsbedingungen. Da Geflüchtete besonders gefährdet sind, auf Dauer in prekären Beschäftigungsverhältnissen zu arbeiten, ist es wichtig, sie über die langfristigen Chancen und Risiken der verschiedenen Berufswege aufzuklären. ● Hinsichtlich der Ausbildungswege besteht die Wahl zwischen einer dualen Ausbildung in Betrieb und Berufsschule und einer schulischen Ausbildung an Berufsfachschulen. Es werden auch theoriereduzierte Ausbildungen angeboten. ● In Deutschland gibt es mehrere Hundert Ausbildungsberufe und mehrere Tausend Studiengänge. Informationen über Tätigkeitsprofile und Voraussetzungen der Berufe stellen insbesondere die Bundesagentur für Arbeit und die Kammern zur Verfügung. ● Fachkräftemangel besteht vor allem in einzelnen technischen Berufsfeldern, in Bauberufen sowie in Gesundheits- und Pflegeberufen. Er fällt in den Regionen jedoch unterschiedlich aus. ● In einigen Berufen werden berufsspezifische Deutschkenntnisse vorausgesetzt. Neben der Nutzung digitaler Lernangebote haben Geflüchtete die Möglichkeit, an geförderten berufsbezogenen Sprachkursen teilzunehmen.



Autorenbild

Katja Stöhr-El Saman, Dipl.-Soziologin und Interkulturelle Trainerin, arbeitet seit rund zehn Jahren im Bereich der Berufsorientierung, darunter mehrere Jahre als Trainerin und Beraterin für Berufsorientierung für Migrant*innen. Zuletzt koordinierte sie ein Programm zum Übergang Schule-Beruf für die weiterführenden Schulen der Stadt Bonn.

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