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Vorüberlegungen und Definition Lernbegleitung

Sie planen, ehrenamtliche Lernbegleitungen in Ihr Grundbildungsangebot einzubinden? Im vhs-Ehrenamtsportal finden Sie, basierend auf den Erfahrungen des Projekts „Knotenpunkte für Grundbildung“ in Trier, kompakte Informationen und Tipps zu den wichtigsten Überlegungen rund um die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen.

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Veröffentlicht 2022, aktualisiert am 01.02.26, OER-Lizenz CC BY-SA (Öffnet in einem neuen Tab)

Der Einsatz ehrenamtlicher Lernbegleitungen bietet eine gute Möglichkeit, die Grundbildung von Erwachsenen mit Herkunftssprache Deutsch oder auch von Zugewanderten individuell und strukturiert zu fördern.

Beachten Sie dabei, dass dies kontinuierliche Unterstützung und Ressourcen erfordert. Daher sollte zunächst eine sorgfältige Bestandsaufnahme erfolgen. Prüfen Sie, welche Lern- und Unterstützungsangebote Ihre Einrichtung bereits umgesetzt hat, welche Ziele sie erreichen möchte und welche zusätzlichen Ressourcen zur Verfügung stehen. Außerdem sollte überlegt werden, welche neuen Angebote kurzfristig umgesetzt werden können und welche Angebote eine gute Basis für die Arbeit der Lernbegleiter*innen darstellen.

Was ist ein ehrenamtliches Lernbegleitsystem?

Unter einem „Lernbegleitsystem“ wird ein System von mehreren miteinander verbundenen Aktivitäten verstanden, die in ihrer Gesamtheit darauf abzielen, ehrenamtliche Lernbegleiter*innen in ihrer Arbeit zu begleiten und zu unterstützen.

Das ehrenamtliche Lernbegleitsystem ist eine der aufwendigsten Unterstützungsformen. Es bindet ein hohes Maß an zeitlichen, personellen und damit auch finanziellen Ressourcen. Nichtsdestotrotz ist das Lernbegleitsystem enorm wirkungsvoll und bringt eindeutige Vorteile mit sich.

Um ein solches System, dessen einzelne Elemente regelmäßig koordiniert und flexibel unterstützt werden müssen, initiieren und betreiben zu können, ist es aller Erfahrung nach erforderlich, hauptamtliche Koordinator*innen einzusetzen. Diese koordinieren und organisieren alle wichtigen Abläufe im Lernbegleitsystem. Sie matchen die Tandems (bestehend aus einer Lernbegleitung und einer lernenden Person). Was sonst noch zu den Aufgaben und Rollen gehört, können Sie im folgenden Abschnitt nachlesen.

Vorteile ehrenamtlicher Lernbegleitung

Ausgangspunkt für den Aufbau ehrenamtlicher Strukturen zur Unterstützung von Personen mit Problemen im Lesen und Schreiben war die Erkenntnis, dass für einen Teil der Personen eine Kursteilnahme eine große Hürde bedeutete. Gefragt war eine Alternative bzw. eine Ergänzung, die die Angebotslücke schließt und besonders zu Beginn des Lernprozesses auch sozial unterstützend wirkt. Das Konzept einer 1:1 Begleitung der lernenden Person durch eine*n engagierte*n Ehrenamtliche*n setzt hier an. Lernbegleiter*innen können helfen, Ängste abzubauen, Mut zu machen und auch in schwierigen Phasen durchzuhalten. Zudem können sie sich auf eine Person konzentrieren, diese individuell fördern und zeitlich flexibel auf die persönliche Lebenssituation eingehen.

Annelie Cremer-Freis, Projekt APAG Trier / © Projekt APAG Trier

Unterstützungs- und Lernangebote in abgestufter Form

Menschen mit Grundbildungsbedarf können Sie in vielerlei Form und mehr oder weniger starker Ausprägung unterstützen. Wir stellen Ihnen hier eine Angebotspalette für den Alphabetisierungs- und Grundbildungsbereich in sechs Stufen vor, die von einfach zu organisierenden bis hin zu komplexen Angeboten führen. Die einzelnen Stufen bauen dabei aufeinander auf.

Was ist eine Lernbegleitung und für wen kommt sie in Frage?

Die 1zu1 Lernbegleitung ist eine besondere Art des ehrenamtlichen Engagements im Bereich Grundbildung.

Bei diesem Angebotsformat unterstützen geschulte Ehrenamtliche einzelne Personen auf ihrem Weg zur Verbesserung der Lese- und Schreibkenntnisse. Dabei bilden sie feste Tandems, sodass ein Vertrauensverhältnis entstehen kann und die Lernenden individuell im Lernprozess unterstützt werden. Erste Ansätze von Lernmethoden (z.B. das Lautlesetandem) werden bei dieser Art der Einzelförderung ausprobiert und die Motivation zum Lernen bei den betreffenden Personen geweckt.

Da die Gestaltung und Umsetzung dieser Art der Lernbegleitung relativ aufwendig in der Koordination sind, finden Sie in der nächsten Lektion wichtige Tipps für die Zusammenführung und Begleitung von Lerntandems.

Eigenschaften und Voraussetzungen der Lernbegleiter*innen

Jede erwachsene Person, die die deutsche Sprache in Wort und Schrift im Alltag regelgerecht anwenden kann, ist prinzipiell – nach einer Einführung und bei Bedarf mit temporärer professioneller Unterstützung – für eine Lernbegleitung geeignet.

Der berufliche Hintergrund ist im Grunde nicht ausschlaggebend. Wichtig ist insbesondere, dass die Chemie zwischen den Tandempartner*innen stimmt und die Lernbegleitung über das nötige Fingerspitzengefühl verfügt, damit das Lernen auf Augenhöhe und ohne Unter- oder Überforderung stattfinden kann.

Allerdings ist es gerade zu Beginn des Leselernprozesses wichtig, dass die Lernbegleitung über fundierte Methodenkenntnisse verfügt. Dann kann der berufliche Background doch eine Rolle spielen – wer das Lesenlernen bereits unterrichtet hat, ist durchaus im Vorteil.

Gelungene Praxisbeispiele mit unterschiedlichen Ansätzen

Weiterführende Materialien

Im Projekt „vhs-Lerntreff im Quartier“ konnten 122 Volkshochschulen niedrigschwellige, offene Lernorte eröffnen und vor Ort etablieren. In vielen vhs-Lerntreffs spielten ehrenamtliche Lernbegleitungen eine wichtige Rolle. Welche Schlüsse sich aus der Erprobung der vhs-Lerntreffs ziehen lassen, hat der DVV im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie gemeinsam mit der SÖSTRA GmbH untersucht. Die Handlungsempfehlungen für die Praxis können Sie unter www.vhs-lerntreff.de (Öffnet in einem neuen Tab) einsehen.

Zur nächsten Lektion:

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Getty Images / yangwenshuang
  • Deutscher Volkshochschul-Verband e.V.

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