Nicht alphabetisierte Geflüchtete begleiten - Wie Sie Lernende unterstützen können

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Einige der Geflüchteten kommen ohne Kenntnisse der Schriftsprache nach Deutschland. Manche können in ihrer Muttersprache schon lesen und schreiben und müssen jetzt das lateinische Alphabet lernen. Andere müssen Lesen und Schreiben ganz von Anfang an lernen. Erfahren Sie mehr darüber, wie Sie nicht alphabetisierte Geflüchtete auf ihrem Weg begleiten können!


(Copyright: Illustration: © Tamim Alsibai, racken)


Was ist Ihnen dabei aufgefallen? Wie sind Sie vorgegangen? 

Wahrscheinlich haben Sie versucht, die Schriftzeichen abzumalen. Haben Sie sich gefragt, ob die Dicke der Striche eine Bedeutung hat oder ob es wichtig ist, dass die Striche sich berühren? Wussten Sie, wo Sie am besten anfangen und den Stift ansetzen sollen? Links, wie Sie es gewohnt sind, oder doch lieber rechts? Und welche Bedeutung die Zeichen haben, das Sie gerade schreiben, wussten Sie auch nicht? So geht es auch Geflüchteten, die nicht lesen und schreiben können. All dies muss erst erlernt werden. Übrigens: Die Zeichen bedeuten übersetzt „Geduld“. 

Was ist das Wichtigste, was man bei der Alphabetisierung von erwachsenen Geflüchteten wissen muss? Evelyn Sabo, Fortbildnerin für DaZ-Lehrkräfte im Bereich Alphabetisierung für das Bildungswerk der Erzdiözese Köln e.V., fasst ihre Erfahrungen zusammen.   

Wie Sie den Kursbesuch unterstützen können

Menschen, die nicht lesen und schreiben können, sollten für den bestmöglichen Lernerfolg einen ausgewiesenen Alphabetisierungskurs mit dafür ausgebildeten Lehrkräften besuchen. Falls Sie Geflüchtete begleiten, die in einem solchen Alphabetisierungskurs lesen und schreiben lernen, dann können Sie eine hilfreiche Unterstützung für den Lernerfolg sein. Hier bekommen Sie Tipps, wie Sie den Kursbesuch des/der Geflüchteten unterstützen und begleiten können.  


Ein allgemeiner Tipp: Oftmals ist es für die Lernenden schwer, Fortschritte zu erkennen, die sie im Kurs machen. Zeigen Sie den Lernenden die Erfolge auf, egal wie klein sie auch erscheinen mögen! Haben die Geflüchteten ein neues Wort gelernt oder haben sie den Weg zum Kurs alleine gefunden? Machen Sie den Lernenden diese Erfolge deutlich und heben Sie sie hervor! Das wirkt dem möglichen Frust im Kurs entgegen und motiviert sie zusätzlich.  


Sobald die Zulassung dafür vorliegt, müssen Geflüchtete einen Integrationskurs mit Alphabetisierung besuchen, um das Lesen und Schreiben zu lernen. Die Alphabetisierung muss von ausgebildeten Lehrkräften durchgeführt werden. Sie als ehrenamtliche LernbegleiterInnen können wertvolle Unterstützung dafür leisten. Sie können zum Beispiel Inhalte aus dem Unterricht wiederholen und individualisieren. Generell gilt: Suchen Sie bei Fragen den Kontakt zum/zur Kursleitenden. Er oder sie kennt die Lernenden und die Alphabetisierungsarbeit sehr gut und kann Ihnen sinnvolle Tipps für die Begleitung geben.  


Sie möchten gerne mehr darüber wissen, wie andere Ehrenamtliche mit dem Alphabetisierungsbedarf umgehen? Hier finden Sie Erfahrungsberichte von vier ehrenamtlichen Kursleitenden, die sicher spannend für Sie sein könnten. Lesen Sie mal rein.    

Wie Sie auch außerhalb des Kursbesuches unterstützen können

Begleiten Sie Geflüchtete, die vielleicht noch keinen Platz in einem Alphabetisierungskurs bekommen haben, oder möchten Sie die Lernenden über die Inhalte des Kurses hinaus unterstützen? Dann haben wir hier ein paar Tipps für Sie!  

Das Erlernen der (neuen) Schrift ist eine Aufgabe, die mit viel Druck verbunden sein kann. Treffen Sie sich mit den Lernenden und sprechen Sie mit ihnen, ohne dabei das Lernen in den Vordergrund zu stellen. Das schafft eine angenehme und lockere Atmosphäre. Unterstützen Sie die Geflüchteten beim Ankommen, zum Beispiel durch Ausflüge. Bei diesen Ausflügen können Sie zum Beispiel Texte aus der Lebenswelt fotografieren und sammeln. Machen Sie die Kursinhalte praktisch erlebbar! Der Besuch von Orten des Alltagslebens kann das Lernen sinnhaft machen und damit unterstützen. Alle Orte können Sprech- oder Lernanlässe bieten. Konkrete Tipps erhalten Sie in unserer Bildershow.  

Wenn Sie einen Ausflug zum Bahnhof machen, können die Lernenden einen Fahrplan fotografieren oder einen entsprechenden Ausdruck mitnehmen. Sie können auch Fahrkarten sammeln. Dieses lebensnahe Material eignet sich hervorragend für das Lernen im Alphabetisierungskurs. (Copyright: fietzefotos/pixabay.com/CC0) 

Wenn Sie auf den Flohmarkt gehen, haben Sie jede Menge Wortschatz vor sich liegen. Lassen Sie die Lernenden Fotos von Dingen machen, die sie interessant finden. Sie können die Fotos ausdrucken und beschriften. So erhalten die Lernenden ihr ganz persönliches Bildwörterbuch! (Copyright: geralt/pixabay.com/CC0) 

Machen Sie einen Ausflug in den Supermarkt, dann nehmen Sie beispielsweise den Kassenbon mit und sammeln Sie sie gemeinsam mit den Geflüchteten. Lernen die Geflüchteten gerade Wortschatz zum Thema Essen? Dann machen Sie mit ihnen Fotos von Lebensmitteln. Diese lebensnahen Materialien können sie in den Unterricht mitnehmen und damit im Kurs lernen. (Copyright: igorovsyannykov/pixabay.com/CC0)  

Auch bei einem Spaziergang durch die Innenstadt kann man die Sprache üben. Das ist ein perfekter Anlass, Wegbeschreibungen zu üben. „Links“, „rechts“, „geradeaus“ lassen sich bestens bei einem Spaziergang anwenden. (Copyright: herbert2512/pixabay.com/CC0) 

Wenn Sie einen Ausflug zum Bahnhof machen, können die Lernenden einen Fahrplan fotografieren oder einen entsprechenden Ausdruck mitnehmen. Sie können auch Fahrkarten sammeln. Dieses lebensnahe Material eignet sich hervorragend für das Lernen im Alphabetisierungskurs. (Copyright: fietzefotos/pixabay.com/CC0) 

Wenn Sie auf den Flohmarkt gehen, haben Sie jede Menge Wortschatz vor sich liegen. Lassen Sie die Lernenden Fotos von Dingen machen, die sie interessant finden. Sie können die Fotos ausdrucken und beschriften. So erhalten die Lernenden ihr ganz persönliches Bildwörterbuch! (Copyright: geralt/pixabay.com/CC0) 

Machen Sie die Kursinhalte praktisch erlebbar! Unternehmen Sie mit den Geflüchteten Ausflüge und sammeln Sie dort Dinge aus dem Alltag. Damit können die Geflüchteten neue Wörter lernen und dieses Material in den Unterricht mitnehmen.  

Weiterführendes Material

Über die Schwierigkeiten beim Erlernen einer ersten Schriftsprache und  Empfehlungen, wie man in der Sprachbegleitung damit umgeht, berichtet Angelika Hrubesch, Leiterin des AlfaZentrums für MigrantInnen der Wiener Volkshochschulen in einem Interview. Lesen Sie hier mehr. 


Autorenbild

Alexandra Lemke war beim Deutschen Volkshochschul-Verband als Referentin tätig und ist inzwischen Redakteurin für DaF/DaZ beim Cornelsen-Verlag. Sie hat unter anderem Deutsch als Fremd- und Zweitsprache studiert und Kurse für Geflüchtete geleitet. 

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Erfolge sichtbar machen

Bei der Alphabetisierung sind Lernerfolge nicht immer auf den ersten Blick sichtbar. Sie sind oftmals eher kleinschrittig und werden von den Lernenden nicht unmittelbar erkannt. Kennen Sie Möglichkeiten, wie man den Lernerfolg sichtbar machen kann? Schreiben Sie Ihre Antwort in die Kommentare und tauschen Sie sich aus!

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