Heutzutage wirkt sich das im Alltag der Afghaninnen und Afghanen etwa bei der Arbeitssuche aus: Da es beispielsweise kein Arbeitsamt gibt, nimmt man häufig die Vermittlung von militärischen Anführern, einflussreichen Lokalfürsten, Familienvorstehern oder Community-Ältesten in Anspruch, um eine Arbeit zu finden. Auch wenn man einen Kredit benötigt, wendet man sich häufiger an einen Verwandten oder lokalen Repräsentanten als an eine Bank.

Das Verständnis von Autorität und Herrschaft ist also durchweg an Personen und weniger an staatliche Instanzen (zum Beispiel Einwohnermeldeämter, Gerichte) gebunden. Es ist in Afghanistan immer noch üblich, bestimmte Ämter gegen Geld zu kaufen. Das ermöglicht es dem Amtsinhaber, Bestechungsgelder einzustreichen, über die Vergabe von Posten und Bauprojekten zu entscheiden sowie Ansehen und politischen Einfluss zu erlangen. 

Daher lässt sich die afghanische nur schwer mit der deutschen Verwaltung vergleichen. Zahlreiche Menschen geben einen beträchtlichen Teil ihres Jahreseinkommens in Form von Bestechungsgeldern aus. Viele in Deutschland gängige Routinevorgänge wie Antragstellung oder Einspruchsverfahren sind in Afghanistan unüblich. Es werden nur selten Dokumente wie Geburts-, Heirats- oder Sterbeurkunden ausgestellt. In vielen Dörfern war es lange Zeit nicht gängig, ständig Ausweispapiere (tazkiras) bei sich zu haben. Die Anlage von Aktenordnern in Privathaushalten etwa zur Aufbewahrung von Dokumenten ist ebenfalls unbekannt.   

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