Die staatliche Zukunft des Irak schien dann erneut 2017 infrage zu stehen, als in den kurdischen Gebieten des Nordirak in einer Volksabstimmung eine klare Mehrheit für eine mögliche Unabhängigkeit stimmte. Das kurdische Gebiet im Nordirak hat seit dem Jahr 1991 – damals mussten sich Saddam Husseins Truppen zurückziehen, weil über dem Nordirak eine Flugverbotszone eingerichtet wurde – eine Sonderentwicklung durchgemacht. Das Gebiet mit den beiden Großstädten Suleimania und Erbil hat zudem seit dem Jahr 2000 einen regelrechten Wirtschaftsboom hinter sich. Ein Großteil der recht jungen Bevölkerung kennt die Diktatur Saddam Husseins nur noch aus Geschichtsbüchern und hat die chaotische Kriegssituation in weiten Gebieten des Irak ab dem Jahr 2003 praktisch nur von ferne miterlebt. 

Allerdings ist das kurdische Gebiet politisch und kulturell zweigeteilt, und das Abstimmungsergebnis für eine Unabhängigkeit war eher theoretisch zu verstehen. Es gibt keine tragfähige politische Einheit unter den irakischen Kurden. In der Folge hat die Volksabstimmung auch eher zu einer Stärkung des irakischen Staates geführt, in der mehrheitlich kurdischen Ölmetropole Kirkuk sind jetzt wieder irakische Soldaten präsent. Auch in der Öffentlichkeit scheint die Idee eines spezifisch „irakischen“ Nationalismus´ wieder an Aufwind zu gewinnen. Die weitere Entwicklung wird allerdings davon abhängen, inwieweit die Lage weiter normalisiert werden kann und ein „neuer“ Irak den Menschen gemeinsame Perspektiven bietet.  

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