Wie beeinflussen Religion und religiöse Führer die Politik und das gesellschaftliche Leben im Iran?

Wie und von wem Politik gemacht und gesellschaftliche Normen festgelegt werden, unterscheidet sich im Iran sehr stark von den Verhältnissen in Deutschland. Im politischen System Irans vermischen sich religiöse, demokratische und autoritäre Elemente miteinander: Seit der Revolution von 1979 kommt dem schiitischen Islam eine besondere Bedeutung bei der Gestaltung von Politik und sozialen Regeln zu. Wesentliche politische Leitlinien wurden von Ayatollah Khomeini, damals einer der religiösen Anführer der Schiiten im Iran und bis heute Galionsfigur der Revolution, formuliert. Laut seinen Lehren soll ein Rechtsgelehrter als geistiger Führer die Geschicke der Gesellschaft bestimmen. Dieser auf Lebenszeit gewählte Revolutionsführer – seit 1989 ist das Ayatollah Sayyid Ali Khamenei – ist mit großen Machtbefugnissen ausgestattet und kann die allgemeinen politischen Richtlinien bestimmen. Das Parlament mit circa 290 Abgeordneten und der Präsident werden alle vier Jahre direkt vom Volk gewählt. Der Präsident steht der Regierung vor und trifft tagespolitisch relevante Entscheidungen, hat jedoch wesentlich weniger Macht als etwa der französische oder amerikanische Präsident. Bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen findet eine Vorauswahl durch den sogenannten Wächterrat statt. Er prüft, ob die Kandidaten dem System bislang treu dienten und politisch unbescholten sind. Dieses Gremium prüft außerdem, ob Gesetze, die von der Regierung ins Parlament eingebracht wurden, mit dem Islam übereinstimmen. Es hat hier ein Vetorecht. 

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