Radikalisierung als Prozess

Es gibt nie nur eine Darstellung oder einen Grund für eine Radikalisierung, noch gibt es einen idealtypischen Verlauf, der sich immer wiederholt. Eine Radikalisierung ist bedingt durch eine Vielzahl an individuellen und gruppendynamischen Faktoren und es existieren unterschiedliche Modelle, die den Radikalisierungsprozess versuchen zu erklären. 

Im Allgemeinen wird von einer demokratiefeindlichen Radikalisierung gesprochen, wenn sich eine Person von den geltenden gesellschaftlichen Regeln abwendet und die Etablierung eines anderen politischen Systems fordert. Radikalisierung wird als Prozess verstanden und darf nicht mit Gewalt gleichgesetzt werden. Zwar kann eine Radikalisierung in der Ausübung von Gewalt enden, dies ist jedoch nicht zwangsläufig der Fall. Erstens ist das Ausmaß einer Radikalisierung von Person zu Person verschieden und zweitens ist der Radikalisierungsprozess durch eine mögliche Deradikalisierung aufzuhalten beziehungsweise umzukehren. 

Trotz der Unterschiede in den Radikalisierungsverläufen werden folgende Elemente wiederholt benannt:  

  • Die Öffnung und Hinwendung zu radikalen Positionen geschieht nicht immer aus rein ideologischen Motiven: Neben hochideologisierten Anführer*innen gibt es viele Mitglieder mit (zunächst) geringen ideologischen Motiven.  
  • Im Vordergrund steht die Suche nach Sinn und Orientierung innerhalb der extremistischen Gruppe: Die Bezugspersonen verschieben sich weg vom bisherigen Freundeskreis und dem sozialem Umfeld.  
  • Die  Ideologie wird im Verlauf einer Radikalisierung immer mehr verinnerlicht und nach und nach zum Teil der eigenen Identität. So gerät die betreffende Person immer tiefer in das extremistische Netzwerk, das die Lebenswelt der betreffenden Person immer stärker bestimmt.    

Neben Parallelen im Radikalisierungsverlauf gibt es auch Gemeinsamkeiten bei den Motiven von Personen, die sich radikalisieren. Trotzdem sollten Sie nicht vergessen, dass es immer auch persönliche, ausschlaggebende Gründe für eine Radikalisierung gibt. Folgende Aspekte können hervorgehoben werden: 

  • Aspekte des Erwachsenwerdens (z.B. Suche nach Sinnstiftung und Orientierung, bewusst provokante Abgrenzung vom Elternhaus, Wunsch nach Anerkennung und Respekt, Suche nach der eigenen Identität) 
  • Einfluss von Ausgrenzungs- und Krisenerfahrungen (z.B. mangelnde bzw. schlechte Integration in den Bildungs- und Ausbildungsbereich sowie den Arbeitsmarkt, fehlende soziale Zugehörigkeit sowie Misserfolge in unterschiedlichen Lebensbereichen)   
  • Bedeutung der Gruppe als identitätsstiftendes Merkmal: Vermittlung von Zugehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühlen (durch z.B. Wir-Ihr-Gegensätze, Schwarz-Weiß-Bilder und Gut-Böse-Unterscheidungen)  
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