Auch eine Frage der Perspektive?

Beim Thema Rückkehr bewegen sich die Personen immer in einem gewissen Spannungsfeld von Fremd- und Selbstbestimmung. Dieses Verhältnis kann sehr problematisch sein, mit ganz wenig Raum für eigene Entscheidungen − etwa bei einer (anstehenden) Abschiebung. Mehr Möglichkeiten zur Selbstbestimmung gibt es hingegen, wenn Menschen sich etwa am Wiederaufbau in ihrem Herkunftsland beteiligen und deswegen zurückreisen wollen. Aber auch das bedeutet nicht, frei in allen Entscheidungen zu sein. Soziale Erwartungen in ihrem Herkunftsland, der Mangel an Vorbereitung(-smöglichkeiten) oder schlicht die Unwissenheit, was die Menschen erwarten wird − all das schränkt ein und kann hohe Belastungen mit sich bringen.

Man kann Situationen immer aus mindestens zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachten − auch in diesem Kontext.

Ferhads Geschichte(n)

Man kann die Geschichte eines Menschen erzählen, der vor einem Krieg davongelaufen ist und seine Familie im Stich gelassen hat, der deren letzte Mittel verbraucht hat, um nach Deutschland zu kommen, der es dann nicht geschafft hat, sich zu integrieren und eine Arbeit zu finden, und der jetzt wieder aufgibt und nach Hause zurückkehrt, wo diejenigen auf ihn warten, die er im Stich gelassen hat.

< oder >

Man kann von einem Menschen berichten, der eine harte, aber notwendige Entscheidung getroffen hat, um sein Leben zu retten, der große Hürden überwunden, riesige Herausforderungen gemeistert hat, um es nach Deutschland zu schaffen. Er hat begonnen Deutsch zu lernen, eine wirklich schwierige Sprache, kann sich nun verständigen und kommt im Alltag zurecht. Sein legaler Status erlaubt ihm nicht, zu tun, was er tun müsste, er erlebt Diskriminierungen und sein Weg liegt voller Steine. Nun wägt er ab, reflektiert, denkt klug nach und kommt zu dem Schluss, dass er seiner Familie mehr helfen kann, wenn er wieder bei ihr vor Ort ist. Er hat sich wenig vorzuwerfen. Er hat alles versucht, und wenn er wieder in seiner Heimat ist, wird er weiter alles versuchen. Er kann stolz auf sich sein und hat noch viel vor sich.

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