Redaktion: Welche praktischen Tipps ergeben sich daraus? 

Rasmus Althaus: Generell gilt, dass Sie, wenn möglich, das Gespräch mit den Lehrkräften suchen und nach geeigneten Zusatzmaterialien fragen sollten. Oft können die Lehrkräfte in den Willkommensklassen nicht alle Niveaus gleichzeitig berücksichtigen und die schwächeren SchülerInnen schreiben die Aufgaben und Übungen lediglich ab. Das wiederholt sich in den Regelklassen auch bei den stärkeren SchülerInnen. Wiederholen Sie die Übungen, die Sie in Heften und Büchern finden (aber arbeiten Sie nicht vor). Nehmen Sie sich die Zeit, die im Unterricht fehlt und erklären Sie den Kindern noch einmal die neuen Wörter oder Inhalte. Lassen Sie die Kinder noch einmal ohne Zeitdruck alles vorlesen (bei AnfängerInnen) oder in eigenen Worten erklären oder kommentieren (bei fortgeschrittenen Lernenden).  Es ist ebenfalls wichtig, dass Sie den SchülerInnen klarmachen, wie wichtig das Einhalten der Schulregeln ist, unabhängig davon, wie gut sie schon Deutsch sprechen. Das Verhalten im Unterricht und in der Schule entscheidet oft mindestens so sehr über die Schullaufbahn wie die Leistungen im Unterricht.  

Am Anfang können Sie sich darum kümmern, dass die Kinder alle Materialien haben. Gehen Sie vielleicht gemeinsam Hefte und Stifte einkaufen und üben Sie gleichzeitig die entsprechenden Wörter. Die Gegenstände im Klassenzimmer sind meist die ersten neuen Vokabeln. Versuchen Sie zu allen Inhalten aus dem Lehrbuch praktische oder anwendbare Beispiele zu finden. Gehen Sie in den Supermarkt, fahren Sie gemeinsam mit dem Bus, benennen Sie Gegenstände in der Wohnung, Pflanzen im Park und so weiter. Die Unterrichtszeit reicht oft nur für das Wichtigste – versuchen Sie den Lernstoff mit Leben zu füllen! Noch ein Tipp für außerhalb des Klassenzimmers: Ermutigen Sie die SchülerInnen dazu, einen Sportverein zu suchen - wenn möglich mit SchulfreundInnen. Es ist ganz wichtig, dass die Kinder möglichst viele und vielfältige Berührungspunkte mit der neuen Sprache haben. Außerdem ist ein Freundeskreis, in dem Deutsch geredet wird, besser als jeder Unterricht. Helfen Sie aktiv bei der Suche und gehen Sie das erste Mal mit zum Training, die Schwelle ist oft groß. Viele Kommunen unterstützen dies finanziell.  

Mit fortgeschrittenen SchülerInnen können Sie gemeinsam die Bibliothek besuchen und einen Ausweis machen lassen. Hier können sie oft auch ungestört arbeiten und internetfähige Rechner nutzen.  Ermutigen Sie die Kinder zur Geduld. Es dauert meist mehrere Jahre, bis die geflüchteten Kinder alle Anforderungen des Regelunterrichts erfüllen können. Die KlassenkameradInnen werden daher oft jünger sein. Loben Sie die SchülerInnen: In einer Fremdsprache zu lernen, ist eine gewaltige Leistung!


Das Bildungspaket (Bildung und Teilhabe) soll Kindern aus einkommensschwachen Haushalten volle Teilhabe am schulischen Leben ermöglichen. Finanziert werden unter anderem die Kosten für Ausflüge, Klassenfahrten, Unterrichtsmaterialien, die Mitgliedschaft in Sportvereinen, Nachhilfe und so weiter. Für die Antragsverfahren sind die Kommunen zuständig, in der Regel über die Jobcenter oder die Bürgerämter. 

  

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