Umgang mit Fehlern und Korrektur in Gesprächssituationen - Wie Sie Fehler elegant korrigieren

Die Korrektur von Fehlern in Gesprächssituationen ist immer ein heikles Thema. Unterbricht und korrigiert man den/die GesprächspartnerIn oder nicht? Verfestigen sich dann aber nicht falsche Formen? In dieser Lektion lernen Sie Möglichkeiten kennen, wie Sie bei Fehlern in Gesprächssituationen richtig reagieren.


Was glauben Sie: Was ist ein Fehler? In der fremdsprachlichen Diskussion gibt es mehrere Definitionen. Ein Fehler ist zunächst eine unbewusste Abweichung von der Norm. Aber was ist die Norm und wer legt sie fest? Ist der Duden die Norm? Nein, denn auch der Duden unterliegt dem Sprachwandel und passt sich diesem an. Oft wird als Fehler angesehen, was das Verständnis zwischen KommunikationspartnerInnen erschwert. Betrachten Sie dazu unsere Grafik.  

Was ist ein Fehler? Beispiel aus: http://germanskills.wixsite.com/fehler/single-post/2016/04/03/10-lustige-Fehler-zum-Kaputtlachen (Copyright: Thomas Unterholzer/eigene Darstellung)


Beide Sätze enthalten Fehler und trotzdem verstehen Sie den ersten Satz ohne Probleme. Der Fehler im zweiten Satz hingegen behindert die Kommunikation zwischen Ihnen und Ihrem Gegenüber, was dazu führt, dass Sie sehr wahrscheinlich nachfragen würden, was er oder sie genau meint. 

Sie interessieren sich für das Thema Fehler und Fehlerkorrektur? Dann haben wir einen Klassiker unter den Buchtipps zu diesem Thema: Kleppin, Karin (1998): Fehler und Fehlerkorrektur. Langenscheidt.   

Fehlerursachen

Die Ursachen für Fehler können sehr unterschiedlich sein. Sie können aus der Muttersprache der Lernenden kommen, wenn sie Strukturen ihrer Muttersprache falsch auf das Deutsche anwenden (Interferenz). Ein gutes Beispiel dafür ist die Altersangabe im Französischen. Dort heißt es „J’ai 27 ans“, also wörtlich übersetzt „Ich habe 27 Jahre“. Es kann also vorkommen, dass Französische Muttersprachler, die gerade Deutsch lernen, diesen Fehler machen. Auch aus den Herkunftssprachen der Geflüchteten heraus können solche Fehler geschehen. 

Oder aber es kommt zur sogenannten Übergeneralisierung, bei der Deutschlernende eine neu erlernte Regel auf alle sprachlichen Elemente anwenden. Dabei wird diese Regel aber nicht auf alle sprachlichen Elemente zutreffen. Haben Lernende gerade entdeckt, dass der Plural von „Foto“ durch Anhängen eines –s gebildet wird, so kann es sein, dass sie diese Regel auf Nomen anwenden, auf die sie nicht zutrifft und zum Beispiel den Plural von „Ball“ als „Balls“ bilden. Darüber hinaus gibt es aber natürlich auch Flüchtigkeitsfehler, die zum Beispiel aus Übermüdung, Stress oder Nervosität heraus entstehen.

In der Fachdiskussion gibt es keine einheitliche Definition von dem, was ein Fehler ist. Fehlerursachen sind ebenfalls unterschiedlich. Sie können aus der Muttersprache der Lernenden stammen oder sie entstehen, weil sie eine neu gelernte Regel auf alle sprachlichen Elemente anwenden. Übermüdung, Stress oder Nervosität sind ebenfalls mögliche Fehlerursachen. 


Die Sprachen, mit denen Geflüchtete nach Deutschland kommen, sind spannend, oder? Sicher haben Sie auch schon das ein oder andere Wort auf Arabisch oder Farsi gelernt. Studierende der Universität Köln bloggen über Sprachen aus dem Fluchtkontext. Sicher finden Sie dort ein paar neue Informationen, die Sie über die Sprachen noch nicht wussten.            

Fehlerkorrektur

Person A sagt zu Ihnen: „Ich gehen in die Supermarket“ – Wie reagieren Sie? Wählen Sie aus.

Innerhalb einer Gesprächssituation, in der der Sprecher oder die Sprecherin etwas über sich erzählt, ist eine Korrektur durch den Gesprächspartner oder die Gesprächspartnerin nicht sinnvoll, sondern störend. Auch wenn Ihr Gegenüber im Redefluss ist, kann die Korrektur eines Fehlers hinderlich sein. Eine sofortige Korrektur stört den Redefluss, den Gedankengang und die Formulierung. In unserer Bildershow bekommen Sie ein paar Tipps, wie Sie die Fehler korrigieren können, ohne den Gesprächsfluss zu stören oder Ihr Gegenüber zu demotivieren.  

Bei fortgeschritteneren Lernenden kann es außerdem sein, dass sie ihren Fehler bemerken und sich selbst korrigieren. Die Selbstkorrektur ist die wünschenswerteste Art der Korrektur, kommt jedoch häufiger bei fortgeschrittenen Lernenden vor und erfordert ein hohes Maß an Kompetenzen. (Copyright: geralt/pixabay.com/CC0)

Setzen Sie weniger störende Arten der Korrektur ein. Sprechen Sie den Satz, den Ihr Gegenüber falsch gesagt hat, noch einmal richtig nach. Der Vorteil solch einer Korrektur (in der Fachsprache „Reparatur“) liegt an ihrer Eingliederung in den natürlichen Gesprächsverlauf. Hin und wieder kann es aber auch dazu kommen, dass der Gesprächspartner oder die Gesprächspartnerin die Reparatur gar nicht wahrnimmt. (Copyright: geralt/pixabay.com/CC0)

Eine andere, gut geeignete Art der mündlichen Fehlerkorrektur ist eine direkte, natürliche Rückmeldung als Zeichen des Nichtverstehens, zum Beispiel eine verzögerte Reaktion auf das Gesagte, da man noch überlegen muss, was das Gegenüber wohl gemeint hat. (Copyright: splongo/pixabay.com/CC0)

Um die Gesprächssitaution nicht zu stören und Ihr Gegenüber nicht aus dem Redefluss zu bringen, können Sie können die Fehler auch in einem anderen Zusammenhang ansprechen. Am besten ist es, wenn Sie die Fehler dann korrigieren, wenn Ihr Gesprächspartner oder Ihre Gesprächspartnerin und Sie nicht mehr in der Kommunikationssituation sind. (Copyright: geralt/pixabay.com/CC0)

Bei fortgeschritteneren Lernenden kann es außerdem sein, dass sie ihren Fehler bemerken und sich selbst korrigieren. Die Selbstkorrektur ist die wünschenswerteste Art der Korrektur, kommt jedoch häufiger bei fortgeschrittenen Lernenden vor und erfordert ein hohes Maß an Kompetenzen. (Copyright: geralt/pixabay.com/CC0)

Setzen Sie weniger störende Arten der Korrektur ein. Sprechen Sie den Satz, den Ihr Gegenüber falsch gesagt hat, noch einmal richtig nach. Der Vorteil solch einer Korrektur (in der Fachsprache „Reparatur“) liegt an ihrer Eingliederung in den natürlichen Gesprächsverlauf. Hin und wieder kann es aber auch dazu kommen, dass der Gesprächspartner oder die Gesprächspartnerin die Reparatur gar nicht wahrnimmt. (Copyright: geralt/pixabay.com/CC0)


Bitte beachten Sie, dass die Art der Fehlerkorrektur immer von Ihrem Gegenüber abhängen sollte. Schüchterne oder ruhigere Menschen sollten  Sie nicht mit einer allzu störenden Methode korrigieren. Ein Sprecher oder eine Sprecherin, der oder die andauernd korrigiert wird, verliert die Lust auf das Sprechen und den Mut dazu.

Sich ausdrücken steht über dem Grammatiklernen

Sie mögen denken, dass man jeden Fehler in jeder Phase des Spracherwerbs korrigieren muss. Schließlich ist es wichtig, dass man von Anfang an richtiges Deutsch lernt. Die aktuelle Methodik des Fremdsprachenlernens sieht die Sprache als Handlung, mit der die Lernenden sich und ihre Bedürfnisse ausdrücken. Die Grammatik ist hierbei ein Werkzeug, mit dessen Hilfe Lernende sprachliche Ziele erreichen. Besonders für Geflüchtete ist es wichtig, sich auszudrücken und sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden: Es ist wichtiger, dass sie nach dem Weg fragen können, als zu wissen, dass „mir“ ein Personalpronomen in der ersten Person Singular Dativ ist.

  • Antworten Sie auf einzelne, einfache Fragen, aber verweisen Sie bei komplizierten Fragen immer auf die Lehrkraft im Integrationskurs.
  • Bei Fragen zur Grammatik, die in ihrer Erklärung viel zu kompliziert sind, verweisen Sie auf einen späteren Zeitpunkt im Fremdspracherwerb.
  • Sollten Sie mal eine Frage nicht beantworten können, dann haben Sie keine Scheu, das zu äußern. 
  • Sie können die Geflüchteten auf Materialien zum Grammatiklernen hinweisen, die sie anregen, grammatikalische Strukturen selbst zu entdecken oder sie mit den Regeln ihrer eigenen Muttersprache zu vergleichen. Solches Material finden Sie in fast jedem Lehrwerk.

Umgang mit Fehlern und Korrekturen ist ein sehr heikles Thema. Es ist wichtig zu verstehen, dass wir auch immer Menschen korrigieren – denn „Irren ist menschlich“, oder? 

Sie als ehrenamtliche Sprachbegleiter und Sprachbegleiterinnen sind sehr wichtig für den ersten Kontakt der Geflüchteten mit der Sprache. Trainieren Sie mit den Geflüchteten das Sprechen und Hören, üben Sie gemeinsam den Wortschatz und vermitteln Sie lebendige Kultur – die systematische Sprach- und Grammatikvermittlung aber muss im Rahmen der Integrationskurse von ausgebildeten Fachkräften übernommen werden.  


Erkennen Sie Fehlerursachen wieder?
Wir haben Ihnen in dieser Lektion mögliche Fehlerursachen aufgezeigt wie zum Beispiel die Übergeneralisierung oder die Interferenz. Können Sie Beispiele aus Ihrer Zusammenarbeit mit Geflüchteten nennen, die zu einer der Fehlerursachen passen? Schreiben Sie Ihre Antwort in die Kommentare!  

 

Autorenbild

Alexandra Lemke war beim Deutschen Volkshochschul-Verband als Referentin tätig und ist inzwischen Redakteurin für DaF/DaZ beim Cornelsen-Verlag. Sie hat unter anderem Deutsch als Fremdsprache studiert und Kurse für Geflüchtete geleitet. Fehlerkorrektur und (programmiertes) Feedback waren Themen ihrer Masterarbeit. 

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