Wie gelingt Integration?

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Wenn man von Geflüchteten spricht, fällt auch schnell das Stichwort Integration. Aber was verstehen wir unter Integration? Anpassung? Aufeinanderzugehen? Friedlich nebeneinander leben? Bei der Frage nach Integration, geht es immer auch darum, wie wir gemeinsam leben möchten. In dieser Lektion finden Sie Hintergründe zum Integrationsbegriff, zu Identität und Heimat sowie Ansatzpunkte, wie Integration gelingen kann.

Was heißt Integration?
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Integration – ein komplexer Begriff!

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„Die eine Integration in die eine Gesellschaft kann es nicht geben.“ (Klaus Jürgen Bade, Migrationsforscher)  

Wie Sie sehen, haben Menschen ganz unterschiedliche Blicke auf Integration.  

  • Es gibt keine eindeutige und allgemein akzeptierte Definition von Integration. 
  • Einigkeit besteht schon eher darin, dass Integration ein fortlaufender Prozess ist, in dem es keine Patentrezepte gibt. Er fordert Anstrengung von denen, die kommen, und denen, die da sind. 
  • Wenn wir von Integration sprechen, stellt sich immer die Frage, in was eigentlich integriert werden soll. Daraus leiten sich die Fragen ab, wer „wir“ eigentlich sind und wie „wir“ leben möchten. Deutschland ist aber ein Land voller unterschiedlicher (Sub)kulturen – an welchen sollen sich Geflüchtete bei der Integration orientieren? 
  • Bei Integration handelt es sich nicht um eine Bringschuld von MigrantInnen und Geflüchteten, sondern vielmehr um das Neu-Aushandeln von Rechten und Regeln, von Zugehörigkeit und Teilhabe. Denn „nicht ein gemeinsam geteilter Kultur- und Wertehimmel, sondern die immer wieder neu auszuhandelnde Verständigung darüber, wie alle Beteiligten zusammenleben wollen, ist tragend für eine demokratische Migrationsgesellschaft“. (by-nc-nd/3.0/Autor: Brigitte Hasenjürgen für bpb.de)

Den gesamten Artikel „Demokratische Migrationsgesellschaft: Zusammenleben neu aushandeln” finden Sie auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung. 

  

„Integration umfasst mehr als das Erlernen der deutschen Sprache und die Ausübung einer Arbeit. Sie bedeutet, dass sich Menschen unserem Land zugehörig fühlen. Sie müssen sich für diese Gesellschaft selbst verantwortlich fühlen, deren lebendiger Teil sein wollen…Nur durch Anstrengung und Offenheit aller Beteiligten kann [kulturelle Integration] gelingen und gesellschaftlicher Zusammenhalt entstehen.“ Landrat Reinhard Sager, Präsident des Deutschen Landkreistages.   

Identität und Heimat

Kultur regelt nicht nur Verhaltensweisen, sondern vermittelt Menschen ein Gefühl der Zugehörigkeit und Sicherheit. Wenn wir über Integration sprechen, sprechen wir auch gleichzeitig über Identität und Heimat. Ziel ist es Geflüchtete und MigrantInnen nicht als „fremd“ und „anders“ zu verorten, sondern Toleranz und Freiräume zu schaffen für unterschiedliche Identitätsentwürfe und diese auch anzuerkennen, ganz nach dem Motto „Leben und Leben lassen“. 

Journalistin Khuê Pham: „Ich werde oft gefragt, woher ich komme; meist ist es eine der ersten Fragen, die anderen einfällt. Viele fragen aus Neugier. Sie wollen verstehen, warum eine asiatisch aussehende Frau Deutsch spricht wie sie. Manche nicken, wenn ich sage: Ich komme aus Berlin. Doch für viele passt die Aussage nicht zu meinem Aussehen. Wenn Sie immer weiter bohren, (…), scheinen sie es zu tun, weil sie in mir eine Asiatin sehen und keine Deutsche. Dass ich mich anders beschreibe dringt nicht durch. (…) Ich war mit dem Gefühl aufgewachsen, dass uns die Deutschen misstrauten. [Immer wieder] dachte ich: Egal, wie sehr du dich anstrengst, sie werden dich immer als Ausländerin sehen.“


Mesut Özil über seine Wahrnehmung als Deutsch-Türke: "Nur ich werde so bezeichnet. Bei Sami Khedira sagt keiner 'der Deutsch-Tunesier' oder bei Lukas Podolski und Miroslav Klose 'der Deutsch-Pole'. Viele vergessen, dass ich in Gelsenkirchen geboren wurde, in Deutschland aufwuchs". Der Sohn türkischer Eltern bezeichnete es als Glück, in zwei Kulturkreisen groß geworden zu sein. "Als Fußballer kommt es meiner Spielweise zugute", sagte er, und nannte deutsche Disziplin sowie taktische Schulung und türkische Technik als wichtige Einflüsse auf sein Spiel. "Deswegen bin ich stolz, dass ich von beiden Kulturen etwas mitnehmen konnte."   


Sie können von Geflüchteten erwarten, dass sie sich anstrengen, ihren Platz in Deutschland zu finden, dazu gehört das Erlernen der deutschen Sprache, Interesse für Deutschland als neue Heimat, die Suche nach Arbeit und vieles mehr. Bedenken Sie aber auch, dass von Seiten der Aufnahmegesellschaft der Wille vorhanden sein muss, sich für Menschen mit anderen Lebensentwürfen und kulturellen Einflüssen zu öffnen sowie sich zu verändern.


„Eine Nation schafft sich die Einheit, die sie haben möchte.“ (Naika Foroutan, Sozialwissenschaftlerin)  


Unterschiedliche Menschen finden unterschiedliche Schlüssel. Ob Kunst, Sport, Musik, Sprache, Arbeit, Humor – unterstützen Sie Geflüchtete dabei, ihren individuellen Schlüssel zur Integration zu finden.   

Integration – wie kann sie gelingen?

Die Frage danach, wie Integration gelingen kann, ist eine schwierige. Es gibt vielfältige Ideen und Ansätze dazu. Integration scheint wie eine Mammutaufgabe, aber bedenken Sie, dass Integration auch im Kleinen beginnt.

„Mir ist schon klar, dass …Integrationsgeschichten mit Schwierigkeiten beginnen. Aber letztlich werden die Menschen einen Weg finden, sich anfangs vielleicht auch nur mit Körpersprache und Gesten zu verständigen. Integration ist kein Kleidungsstück, das wir einfach überziehen und - voilà - auf einmal sind wir Deutsche. Integration bedeutet stattdessen vor allem, kulturelle Unterschiede zu akzeptieren und nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Ich habe meine Zuflucht in Dichtung und Literatur gefunden, sie sind mein Tor zur Integration in die deutsche Gesellschaft. Und ich bin sicher, jeder findet seinen eigenen Schlüssel.“ (Widad Nabi, aus Syrien geflüchtete Schriftstellerin)  

Sie haben nun das Konzept der Integration ein wenig kennengelernt. Was können Sie als Hintergrundinformationen für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit mitnehmen?

► Deutschland ist schon längst eine Migrationsgesellschaft und dass nicht erst mit dem vermehrten Zuzug Geflüchteter seit 2015. Der gesellschaftliche Diskurs zum Thema Integration hat aber in den letzten Jahren stark zugenommen. Integration ist ein inflationär gebrauchter Begriff, hinter dem sich viele verschiedene Einstellungen und Bedeutungen verstecken. Integration bedeutet, kulturelle Unterschiede zu akzeptieren, nach Gemeinsamkeiten zu suchen und das soziale Zusammenleben gemeinsam zu gestalten.
► Akzeptieren Sie unterschiedliche Blicke auf Identität und vermeiden Sie feste Zuschreibungen. Es gibt ein „sowohl … als auch“!
► Integration ist keine Bringschuld von Migrant*innen und Geflüchteten. Es geht viel mehr um die Neuaushandlung des Zusammenlebens. Dabei steht nicht die Frage „Wie schaffen wir es, dass wir alle gleich sind?“, sondern vielmehr die Frage „Wie wollen wir gemeinsam leben?“ im Zentrum.
► Es gibt viele Schlüssel zur Integration wie Kunst, Sport, Musik, Arbeit und so weiter. Unterstützen Sie Geflüchtete dabei, ihren eigenen Schlüssel zur Teilhabe und Gestaltung unserer Gesellschaft zu finden.

Weiterführendes Material

Buchtipp: Treibel, Annette: Integriert euch!, Campus Verlag, Bonn Erfolgsgeschichten und Problemlagen von Einwanderung  

Wie reagieren Menschen, wenn in ihrer Nachbarschaft Asylsuchende untergebracht werden? Der Film „Willkommen auf Deutsch" geht diesem Thema nach und beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der Asyl- und Flüchtlingspolitik.  


Autorenbild

Meike Woller, Diplom-Sozialwirtin, ist Trainerin für Interkulturelle Kompetenz und Globales Lernen. Sie hat verschiedene Projekte zum Thema „Integration“ geleitet und führt interkulturelle Fortbildungen für Menschen durch, die mit Geflüchteten zusammenarbeiten. 

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Was heißt Integration für Sie?

Unterschiedliche Menschen finden unterschiedliche Schlüssel. Ob Kunst, Sport, Musik, Sprache, Arbeit, Humor – unterstützen Sie Geflüchtete dabei, ihren individuellen Schlüssel zur Integration zu finden. Was heißt Integration für Sie? Und welche Schlüssel zur Integration haben Sie in Ihrer ehrenamtlichen Arbeit kennengelernt? Schreiben Sie Ihre Antwort in die Kommentare und tauschen Sie sich aus!

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