Die Suche nach einer Wohnung – alles andere als ein Wunschkonzert!

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Welchen Zugang haben Geflüchtete zum Wohnungsmarkt? Welche Probleme treten bei der Wohnungssuche auf? Und wie können Sie als Ehrenamtliche*r bei dieser nervenaufreibenden Aufgabe unterstützen? In dieser Lektion finden Sie nützliche Informationen und Hinweise zum Thema Wohnen und Wohnungssuche. Schauen Sie rein.

Bild: Photo Mix auf Pixabay

Ein Dach über dem Kopf zu haben gehört zu den Grundbedürfnissen eines Menschen. Eine sichere Bleibe  – ein richtiges "Zuhause" – stärkt das Gefühl von Sicherheit und ist eine der Hauptvoraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um ein "normales" Leben führen zu können. Doch die Wohnungssuche ist für Asylbewerber – wie auch für Einheimische – oft sehr problematisch. Es ist in Deutschland derzeit nicht einfach, freien Wohnraum zu finden. Vielerorts, vor allem aber in den Großstädten, steigen die Mietpreise kontinuierlich, sodass es fast unmöglich ist, bezahlbare Wohnungen für Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, zu finden. Dasselbe gilt auch für Menschen mit geringem Einkommen. Darüber hinaus sind die Sprachkenntnisse geflüchteter Menschen zum Teil geringer als bei anderen Mitbewerber*innen, die auf Wohnungssuche sind. Die Sprachbarriere kann sich bei der Wohnraumsuche bemerkbar machen und zu einem weiteren Nachteil werden.   

Mehrere Faktoren führen also dazu, dass die Wohnungssuche zu einer echten Herausforderung werden kann. Für Geflüchtete und Asylbewerber*innen gilt dies insbesondere, da für sie die Wohnungssuche auch noch bestimmten Einschränkungen unterliegt: Grundsätzlich darf sich ein*e Asylsuchende*r für die ersten drei Monate des gestatteten Aufenthaltes in Deutschland nur in dem Bezirk der zuständigen Ausländerbehörde aufhalten (§ 56 AsylG). Diese sogenannte Residenzpflicht erlischt jedoch nach Ablauf von drei Monaten (§ 59a I S. 1 AsylG).   

Doch auch nach Stellung des Asylantrags gibt es Einschränkungen: Sobald eine geflüchtete Person den Asylantrag gestellt hat und nicht mehr verpflichtet ist, in einer Aufnahmeeinrichtung zu leben, entscheidet eine entsprechend ermächtigte Landesbehörde (durch einen Bescheid), in welchem Ort im Bundesland die betroffene Person zukünftig leben soll. Nur an diesem Ort hat die geflüchtete Person einen Rechtsanspruch auf sozialrechtliche Leistungen. Dies ist die sogenannte Wohnsitzauflage (§ 60 I AsylG). Für gewöhnlich sind Geflüchtete dazu verpflichtet, die ersten drei Jahre ab Anerkennung bzw. Erteilung der Aufenthaltserlaubnis den Wohnsitz in dem Bundesland einzunehmen, dem sie zur Durchführung des Asylverfahrens zugewiesen worden sind.  

Gut zu wissen: Sobald die Wohnsitzauflage hinfällig ist, können Geflüchtete entscheiden, an welchem Ort sie eine Bleibe suchen möchten, und sich auf die Suche nach einer Wohnung oder einem WG-Zimmer begeben. Allerdings können sich die Bestimmungen je nach Bundesland unterscheiden, daher bitte immer lokale Informationen einholen.


Wie können Sie als Ehrenamtliche*r bei der Wohnungssuche helfen?

Die Wohnungssuche kann eine anstrengende und sehr zeitintensive Angelegenheit sein. Wenn Sie als Ehrenamtliche*r Menschen dabei unterstützen, informieren Sie sich zuvor über die Gegebenheiten vor Ort und holen sich unbedingt Hilfe! Vielleicht gibt es bei Ihnen vor Ort ganz wunderbare Projekte oder Initiativen, die bei der Suche behilflich sind. Die Wohnungssuche ist außerdem wie die Jobsuche. Netzwerken und darüber sprechen kann helfen und manchmal kennt man dann doch jemanden, der jemanden kennt, der eine Wohnung oder ein Zimmer frei hat. 

Tipp: Bei der Wohnungsbesichtigung hilft es genauso wie bei Behördengängen, wenn Sie als persönliche Fürsprecher dabei sind. Wenn Sie es zeitlich nicht immer einrichten können, ist die Begleitung bei der Wohnungssuche vielleicht auch eine Aufgabe, die Sie sich gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen teilen können? Sie müssen nicht alles alleine schaffen. 

Oft gibt es in den Städten oder Kommunen zuständige Stellen für die Unterstützung geflüchteter Menschen bei der Wohnungssuche. Gibt es bei Ihnen in der Stadt oder in der Region eine solche Stelle? Informieren Sie sich bei den Wohlfahrtsverbänden in Ihrer Nähe. 

Vielerorts engagieren sich auch lokale Initiativen und unterstützen bei der Wohnungssuche. Es gibt außerdem Projekte, die gezielt Wohnungen oder WG-Zimmer an Geflüchtete vermitteln oder auch soziale Wohnprojekte, bei denen mehrere Generationen und Kulturen zusammen wohnen. Hier lohnt es sich auch nachzufragen, ob noch etwas frei ist.

Ein überregionales Projekt, welches wir Ihnen gerne vorstellen möchten, ist die WG-Vermittlung Zusammenleben Willkommen. Hierbei handelt es sich um eine Online-Plattform, die deutschlandweit Menschen, die Zimmer in WGs oder Wohnungen explizit für Neuzugewanderte zur Verfügung stellen wollen, mit Geflüchteten zusammen bringt, die auf der Suche nach Wohnraum sind. Gerade für Geflüchtete, die alleine nach Deutschland gekommen sind, kann das Leben in einer Wohngemeinschaft eine tolle Alternative sein, die zugleich soziale Kontakte und die Möglichkeit, täglich die Sprachkenntnisse zu verbessern, mit sich bringt.

Wohnungsinserate können Sie in Lokalzeitungen, in Online-Portalen wie immobilienscout24.de sowie auf Webseiten von Wohnungsbaugenossenschaften finden. Sie begleiten junge Geflüchtete, die gerne in eine Wohngemeinschaft (WG) einziehen möchten? Vielleicht finden sich Aushänge am Schwarzen Brett an der Uni. Die lokalen studentischen Initiativen sind womöglich auch eine gute Anlaufstelle.



Die Internetseite www.fluechtlingshelferinfo.de stellt sehr anschaulich und umfassend alle notwendigen Informationen zur Wohnungssuche zusammen: Hier finden Sie unter anderem eine Übersicht der Dokumente, die Behörden und Vermieter*innen benötigen. Sie erhalten aber auch Antworten auf die Frage, wer die Kosten für die Miete trägt, wenn die suchende Person kein eigenes Einkommen hat. Wenn Sie aktuell bei der Wohnungssuche unterstützen, ist diese Seite eine echte Hilfe.

Leider wahr: Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt

Neben dem angespannten Wohnungsmarkt ist Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt ein zusätzlicher Faktor, der die Suche nach einer Wohnung erschwert. Diskriminierende Wohnungsanzeigen mit Formulierungen wie: „Wir vermieten nicht an Ausländer." oder „Keine Flüchtlinge!" sind leider Realität. Was tun? Wie kann man Diskriminierung erkennen und sachlich darauf reagieren? 

Die Formulierungen in den oben genannten Beispielen sind diskriminierend und verstoßen gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Häufiger kommt es jedoch vor, dass indirekt diskriminiert wird. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein*e Interessent*in mit einem ausländisch klingenden Namen einen Besichtigungstermin für eine Wohnung vereinbaren will und ihr / ihm gesagt wird, dass die Wohnung schon vergeben ist, diese jedoch weiterhin angeboten wird. Ebenso kann es bei der Wohnungsbesichtigung zu Diskriminierung kommen.    

Gut zu wissen! Man kann sachlich auf Diskriminierung reagieren und dagegen vorgehen. Detaillierte Informationen, Beispiele, Handlungsempfehlungen und Anlaufstellen für den Fall von Diskriminierung haben wir für Sie in der Lektion Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt gebündelt. Schauen Sie rein. 

Wohnung gefunden? Das gilt es zu beachten!

Die Wohnungssuche war erfolgreich und die Wohnungsübergabe findet bald statt? Manchmal bestehen trotzdem noch Fragen: Welche Kosten sind in der Miete und den Nebenkosten enthalten? Wer muss die Wohnung renovieren? Wer kommt für Renovierungs- und Reparaturkosten auf? Auf was muss man bei der Wohnungsübergabe achten? Im folgenden Video des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzvb) sind nützliche Fragen für den Einzug in die erste Wohnung beantwortet. Schauen Sie rein.

Video Preview

Hilfreiche Checkliste für den Einzug

Bevor der Mietvertrag unterschrieben wird, sollten alle entstehenden Kosten geklärt sein. Dazu zählt neben der Miete auch das Geld, dass für sogenannte Neben- und Betriebskosten wie zum Beispiel für Heizung und warmes Wasser anfällt. Die Checkliste Wohnung hilft dabei, alles im Blick zu haben und fasst die Informationen aus dem Video nochmals zusammen.

Checkliste Wohnung - 589.22 KB

● Die Wohnungssuche kann sehr zeitintensiv und anstrengend sein.
● Informieren Sie sich, ob es in Ihrer Stadt/Kommune eine zuständige Stelle gibt für die Vermittlung von Wohnungen an Geflüchtete oder fragen Sie bei den Wohlfahrtsverbänden nach.
● Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt kommt leider immer wieder vor. Man kann darauf sachlich reagieren und es gibt Anlaufstellen, an die man sich wenden kann.
● Fragen zur Renovierung oder zur Wohnungsübergabe sollte man immer vor dem Einzug klären.   

Weiterführendes Material

Auf der Internetseite der Verbraucherzentrale können Sie die oben schon genannte Checkliste mit Informationen und Tipps zum Thema Wohnung und Einzug auch noch in den Sprachen Englisch, Arabisch, Farsi und Russisch herunterladen und ausdrucken. Die Checklisten beinhalten wichtige Tipps für die Vertragsunterzeichnung, die Wohnungsübergabe und die Energiekosten.

Wenn Sie sich tiefergehend mit der Thematik beschäftigen möchten, werfen Sie einen Blick in die aufschlussreiche Studie des Mediendienstes Integration mit dem Titel: Welchen Zugang haben Geflüchtete zum Wohnungsmarkt?  

Die Handreichung Rassismus auf dem Wohnungsmarkt richtet sich an Vermieter*innen, Beratungsstellen und Betroffene und hilft dabei, Diskriminierung zu erkennen und zu bekämpfen. Veröffentlicht wurde sie von der Antidiskriminierungsberatung Brandenburg.

Haben Sie bereits geflüchtete Menschen bei der Wohnungssuche unterstützt oder sind gerade dabei? Welche Erfahrungen haben Sie gesammelt, welche Tipps und Hinweise haben Sie für Geflüchtete und andere Ehrenamtliche für die Suche nach einer Wohnung? Wir sind gespannt auf Ihre Beiträge im Kommentarfeld.


Autorenbild

Aurora Distefano ist Referentin für Redaktion und kümmert sich um die Inhalte im Portal. Die Inhalte dieser Lektion hat sie für Sie recherchiert und redigiert. Sie ist Sprach- und Literaturwissenschaftlerin mit einem DaF/DaZ Weiterbildungsstudium und hat langjährige Erfahrung im Bildungsbereich als Dozentin für Italienisch und Deutsch.

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