Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit – Was bedeutet das?

Wie reagieren auf unterschiedliche Positionen zu kontroversen Themen? Der Umgang mit schwierigen Positionen kann – vor allem, wenn es sich um menschenfeindliche bzw. diskriminierende Einstellungen und Verhaltensweisen handelt – eine besondere Herausforderung für Ehrenamtliche darstellen. Hintergrundinformationen zu den Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit sollen Ihnen einen Überblick vermitteln.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

Zu den Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit gehören Einstellungen und Verhaltensweisen, die andere Personen ausgrenzen und abwerten. Häufig findet eine solche Abwertung aufgrund einzelner Merkmale, wie zum Beispiel der Zugehörigkeit zu einer religiösen oder kulturellen Gemeinschaft, statt. Menschen, die Ideologien der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit vertreten, betrachten andere Personen allein wegen ihrer vermeintlichen oder tatsächlichen Zugehörigkeit zu einer Gruppe als minderwertig. Die Zuschreibung der Gruppenzugehörigkeit erfolgt nicht durch das Individuum selbst, sondern wird von außen an die Person herangetragen. Neben Obdachlosen, homosexuellen Personen und Menschen mit körperlicher und/oder geistiger Behinderung werden häufig Frauen und Menschen jüdischen oder muslimischen Glaubens zum Ziel menschenfeindlicher Handlungen.   

In Zusammenhang mit den Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit lassen sich Diskriminierung und Ausgrenzung also nicht individuell begründen, sondern sind auf die Zugehörigkeit einer Person zu einer Gruppe zurückzuführen.   

Was bedeutet ...?

Warum existieren menschenfeindliche Einstellungen und Verhaltensweisen?

Die Existenz von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit kann nicht auf einen einzelnen Faktor zurückgeführt werden. Vielmehr ist eine Vielzahl an Faktoren ausschlaggebend. Neben dem Einfluss von familiären Beziehungen und sozialem Umfeld können kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Faktoren zur Übernahme von diskriminierenden Einstellungen beitragen. Personen neigen zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, wenn sie: 

  • kulturelle und religiöse Vielfalt generell ablehnen,
  • stärkere Bereitschaft zum Gehorsam besitzen,
  • soziale Hierarchien explizit befürworten,
  • Orientierung anhand klarer Autoritäten suchen, 
  • Menschen anhand ihrer ökonomischen Nützlichkeit bewerten,
  • sich subjektiv ökonomisch benachteiligt und politisch machtlos fühlen. 

Diese Auflistung soll Ihnen lediglich einen Eindruck vermitteln. Sie ist nicht vollständig.  

Vom Vorurteil zur Diskriminierung

Das folgende Ampelmodell soll Ihnen als Hilfestellung dienen, die unterschiedlichen Abstufungen vom Vorurteil bis hin zur Diskriminierung zu erkennen. Sie lernen verschiedene Aussagen bzw. Einstellungen einzuordnen und machen sich die Unterscheidung zwischen ‚normalen‘ menschlichen Wahrnehmungsmechanismen, Vorurteilen und einer Diskriminierung bewusst.

(Angelehnt an: Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. (2015): Praxishandbuch – Widersprechen! Aber wie? Argumentationstraining gegen rechte Parolen)

Das Zauberwort heißt Reflexion. Reflektieren Sie eigene Verhaltensregeln, den institutionellen Kontext, in dem Sie sich bewegen, und das eigene Verständnis vom gesellschaftlichen Miteinander. Machen Sie sich bewusst, dass auch die Zuschreibung von positiven Eigenschaften als Vorurteil gilt und reflektieren Sie eigene Erfahrungen, die Ihr Handeln und Ihre Einstellungen womöglich beeinflussen. Mehr über Vorurteile und Stereotype erfahren Sie hier

Hinweis: In der Lektion „Wie reagieren auf menschenfeindliche Handlungen? – Umgang mit Stammtischparolen und Anfeindungen im Ehrenamt“ finden Sie Empfehlungen für den Umgang mit menschenfeindlichen oder rassistischen Aussagen. 

Was hilft? Schutzfaktor Kontakt!

Als Schutzfaktor vor gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wird unter anderem der positive und regelmäßige Kontakt zwischen Personen unterschiedlicher sozialer, kultureller und religiöser Gruppen betrachtet. Dies ist nicht beschränkt auf die Gruppe beziehungsweise das Individuum, mit der oder dem der Kontakt besteht. Wer regelmäßig Kontakt zu Menschen mit Migrationshintergrund hat und hierbei positive Erfahrungen sammelt, neigt weniger zu Fremdenfeindlichkeit. Gleichzeitig ist die Neigung zu Homophobie und Sexismus weniger stark ausgeprägt.  


Zu den Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit gehören Einstellungen und Verhaltensweisen, die andere Personen ausgrenzen und abwerten. Diese werden als Ideologien der Ungleichwertigkeit bezeichnet, da Personen allein wegen ihrer vermeintlichen oder tatsächlichen Zugehörigkeit zu einer Gruppe als minderwertig betrachtet werden. Häufig wird Unwissenheit für die Übernahme menschenfeindlicher Einstellungen verantwortlich gemacht. Allerdings ist eine Vielzahl an Faktoren ausschlaggebend!

Weiterführendes Material


Projekte 

Gerne weisen wir sie auf das Projekt jmd2start der Jugendmigrationsdienste hin. Dieses möchte geflüchtete Jugendliche und junge Erwachsene in unterschiedlichen Lebensbereichen unterstützen und den Kontakt zwischen Menschen im lokalen Umfeld fördern. Insbesondere der Zugang der jungen Erwachsenen zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe soll erleichtert werden. 

Das Präventionsprojekt Ibrahim trifft Abraham des Düsseldorfer Kinder- und Jugendhilfeträgers AGB e.V will durch den direkten Kontakt von Jugendlichen mit unterschiedlichen Religionen zu deren Dialogbereitschaft beitragen und Stereotype aufbrechen. Teil des Projekts war neben dem Besuch von verschiedenen Gebetsstätten eine Auseinandersetzung mit der islamistischen Ideologie. Die jungen Teilnehmenden des Projekts konnten ihren interreligiösen und interkulturellen Handlungsspielraum erweitern und gemeinsame Erfahrungen sammeln.  


Literatur 

Wie weit sind menschenfeindliche Einstellungen in das Zentrum der Gesellschaft eingedrungen? Antworten darauf gibt die neue Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, die die politischen und sozialen Einstellungen der Bürger*innen analysiert. Die Untersuchung prüft, wie fragil die gesellschaftliche Mitte heute ist, die stets als Garant für Stabilität und feste Normen galt.  

Der Beitrag „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ von Beate Küpper und Andreas Zick auf der Homepage der Bundeszentrale für politische Bildung gibt einen detaillierten Einblick in die Funktionsweise und Hintergründe der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. 

In der Studie „Die Abwertung der Anderen. Eine europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung“, herausgegeben von der Friedrich-Ebert-Stiftung, werden verschiedene Erklärungsfaktoren für die Entwicklung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit untersucht.      

Einen sehr anschaulichen Erklärfilm zum Thema Rassismus und Diskriminierung hat die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) veröffentlicht.

Welche Erfahrungen mit menschenfeindlichen Einstellungen und Verhaltensweisen haben Sie im Rahmen Ihrer Tätigkeit als Ehrenamtliche*r beziehungsweise Ihres Einsatzes für Geflüchtete gemacht? Wurden Sie im Privaten ebenfalls mit menschenabwertenden Äußerungen konfrontiert? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns und tauschen Sie sich aus!    


Autorenbild

Adriane Schmeil hat in ihrer Masterarbeit zum Thema "Prävention und Deradikalisierung im Kontext des Islamismus" die Arbeit des Programms Wegweiser in NRW anhand qualitativer Befragungen der Berater*innen analysiert. Derzeit arbeitet sie als Referentin im Projekt "Prävention und Gesellschaftlicher Zusammenhalt" (PGZ) des Deutschen Volkshochschul-Verbands.

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