Begleitung und Qualifizierung der Ehrenamtlichen

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Gut vorbereitete Ehrenamtliche können Lesen und Schreiben niveaugerecht mit Lernenden üben und sensibel auf Rückschläge und Herausforderungen im Lernprozess eingehen. Lesen Sie hier, was sie dazu brauchen.

Ehrenamt koordinieren und begleiten

Eine wesentliche Aufgabe von Koordinator*innen ist es, die Ehrenamtlichen für die Situation der Lernenden zu sensibilisieren und im Verlauf des Lernprozesses zu unterstützen. In diesem Video erhalten Sie wertvolle Tipps von unserer Expertin Dr. Daniela Glück-Grasmann. Sie macht deutlich, worauf es bei der Begleitung von Ehrenamtlichen ankommt.

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https://youtu.be/Akkx8xvFqtA

Das Lernen und Üben mit Erwachsenen, die Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen haben, birgt einige Besonderheiten, deshalb sollten Ehrenamtliche für die Ansprache und den Umgang mit ihnen gut vorbereitet sein. Dazu gehört auch, sich vorher mit der Zielgruppe auseinanderzusetzen und ein Gespür für sie zu entwickeln.

Wer sind die Lernenden?

In der Praxis sind es drei unterschiedliche Gruppen, die in Lernangebote zur Alphabetisierung und Grundbildung kommen:

1. Erwachsene, die in Deutschland beschult wurden, aber trotzdem aus unterschiedlichen Gründen nie ausreichend flüssig lesen und schreiben gelernt haben.

2. Erwachsene, die in ihrem Heimatland nicht oder nur gering beschult wurden.

3. Erwachsene, die in ihrem Heimatland eine fundierte Schulausbildung bekommen haben, aber Probleme mit der deutschen Schriftsprache haben.

Alle drei Gruppen bringen unterschiedliche Voraussetzungen und Bedarfe mit. Es ist daher wichtig, die Ehrenamtlichen darauf vorzubereiten.


Von Lese- und Schreibschwierigkeiten betroffene Menschen ziehen sich oft zurück. Sie leiden unter besonderen Herausforderungen im Alltag, haben häufig ein geringes Selbstbewusstsein, Versagensängste oder schämen sich für ihre schwachen Lese- und Rechtschreibkenntnisse. Gegenüber neuen Lernsituationen reagieren sie teils übermotiviert, teils aber auch unmotiviert. Aufkommende Erinnerungen an die Schul- und Ausbildungszeit und damit verbundene Kränkungen und psychische Belastungen können betroffene Personen zusätzlich hemmen und blockieren.


Ehrenamtliche Lernbegleiter*innen sollten Anzeichen dafür erkennen können und wissen, wie sie die daraus resultierenden Verhaltensweisen einordnen und ggfs. darauf reagieren können.

Mit Sensibilisierungsschulungen für das Ehrenamt qualifizieren

Zu einer guten Vorbereitung der Ehrenamtlichen gehören neben einer umfassenden Einführung in die Thematik, die Vermittlung von Kenntnissen über die Besonderheiten von erwachsenen Lerner*innen und schließlich auch das Sensibilisieren für Möglichkeiten und Grenzen der ehrenamtlichen Begleitung.

Für Koordinator*innen ist es jedoch wichtig, sich das Thema Alphabetisierung und Grundbildung zuerst selbst umfassend zu erschließen, um Ehrenamtliche gut begleiten zu können. Im nächsten Schritt können Sie dann Einführungen und Schulungen für ehrenamtliche Lernbegleiter*innen und gegebenenfalls andere Multiplikator*innen entweder selber umsetzen oder durch Externe durchführen lassen.

Das Wissen und die für eine Schulung benötigten Informationen und Materialien dazu können Sie über verschiedene Wege einholen:

  1. Wir vom vhs-Ehrenamtsportal bieten Ihnen und Ihrer Einrichtung eine kostenlose Sensibilisierungsschulung für Ehrenamtliche im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung an. Unsere Trainerinnen setzen die Schulung gerne in Ihrer Einrichtung um – je nach Bedarf online oder in Präsenz. Für die Teilnehmenden gibt es im Anschluss eine umfassende Handreichung mit den Lerninhalten sowie eine Teilnahmebescheinigung. Holen Sie sich unsere Expertise ins Haus und vereinbaren Sie einen Termin mit uns! Alle Informationen zu unserem Schulungsangebot erhalten Sie hier.
  2. Sie möchten die Schulung doch lieber selber umsetzen? Dann verwenden Sie doch die Inhalte des vhs-Ehrenamtsportals, um eigene Schulungen zu erstellen. Unsere Texte und Medien sind alle mit einer OER Lizenz versehen und können kostenfrei für Ihre Zwecke genutzt und angepasst werden. Mehr zum Thema OER (Open Educational Ressources) finden Sie hier. Bei Fragen wenden Sie sich gerne an das Redaktionsteam: ehrenamtsportal@dvv-vhs.de
  3. Oder nutzen Sie das Schulungskonzept des Projektes 1zu1 Basics der vhs Frankfurt, das eigens für die Sensibilisierung von Ehrenamtlichen entwickelt und erprobt wurde. Gerne stellen wir Ihnen hier das gesamte Konzept zum Download zur Verfügung:

Basiskenntnisse und Kompetenzen vermitteln


Der Erwerb von Hintergrundwissen

Da vielen Ehrenamtlichen das Phänomen geringe Literalität bei Erwachsenen nicht oder kaum bekannt ist, ist die Vermittlung von Grundlagenwissen zum Thema Alphabetisierung und Grundbildung dringend notwendig. Diese Aufklärungsarbeit dient nicht nur dazu, dass die Engagierten ein allgemeines Verständnis für das Thema gewinnen und Ursachen und Hintergründe kennenlernen. Durch das Hintergrundwissen können sie in ihrer Rolle als Lernbegleitung die individuellen Problemlagen auch besser identifizieren und die Gelegenheit nutzen, fördernd und ermutigend einzuwirken. Beispielsweise indem sie Lernenden Mut machen und zeigen, dass sie nicht alleine sind, oder auf Fortschritte hinweisen.

Buchen Sie dazu die passende Schulung oder weisen Sie Ehrenamtliche explizit darauf hin, dass sie sich mit dem vhs-Ehrenamtsportal in das Thema einlesen können. Hier geht’s zum Wissensbereich für Ehrenamtliche in der Grundbildung.


Annäherungen an die Zielgruppe

Neben dem Erwerb von Hintergrundwissen ist es förderlich, wenn Ehrenamtliche zusätzlich auch Grundkompetenzen im Bereich der Methoden und Materialien, die ihnen zur Verfügung stehen, erwerben. Wenn sie sich darüber hinaus auch ein wenig mit den unterschiedlichen Niveaus (Alphalevels) auseinandersetzen, können sie zudem lernen, Anzeichen der Unter- oder Überforderung bei den Lernenden zu erkennen. Dazu ist es jedoch sinnvoll, sich erst einmal mit der Zielgruppe vertraut zu machen.

© APAG Trier

Ehrenamtliche sollten die Zielgruppe der Lernenden aus verschiedenen Perspektiven kennenlernen und anhand von Beispielen einen Eindruck von den Menschen, von ihren Problemen, aber auch von ihren Stärken erhalten.

Dazu eignen sich verschiedene Möglichkeiten und didaktische Methoden:

Ehrenamtliche Lernbegleitung – Aufgaben und Grenzen

Zu einer guten Vorbereitung von Ehrenamtlichen gehört neben einer umfassenden Einführung in die Thematik und den Besonderheiten von erwachsenen Lerner*innen auch das Schaffen eines Bewusstseins für die Möglichkeiten und Grenzen der ehrenamtlichen Begleitung.

Es gibt natürlich auch Aufgaben, die nicht dem Ehrenamt zugewiesen werden können und sollten.

Was sind die Stärken der ehrenamtlichen Lernbegleiter*innen? Worin bestehen ihre Aufgaben? Wo liegt die Abgrenzung zum professionellen Unterricht? Dr. Daniela Glück-Grasmann, Mitarbeiterin im Projekts 1zu1 Basics an der vhs Frankfurt, außert sich im Inteview dazu. Schauen Sie rein.

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Organisation von vertiefenden Workshops und Fortbildungen

Neben der Sensibilisierungsschulung, die jede Lernbegleitung durchlaufen haben sollte, lohnt es sich, zusätzlich vertiefende Fortbildungsangebote zu organisieren. Kommen neue Ehrenamtliche hinzu, können diese Angebote wiederholt werden.

Was können Sie anbieten?

  • Vorstellung neu entwickelter Lernangebote und Materialien mit Tipps zu ihrer Verwendung
  • Schulungen und Vorträge von Fachexpert*innen zu einzelnen Themen der Alphabetisierung und Grundbildung (Ideen liefern Ihnen zum Beispiel die Aufzeichnungen unserer Online-Seminarreihe)
  • Kostenlose Schulungen des vhs-Lernportals
  • Päsentation des vhs-Ehrenamtsportals mit frei wählbaren Schwerpunkten, z. B. Lernmaterialien, Wissensbausteine oder Community Bereich (wir stellen das Portal gerne bei Ihnen vor Ort oder in einem digitalen Treffen vor, nehmen Sie hier gerne Kontakt zu uns auf.)

In der Arbeit mit Lernbegleitungen können natürlich auch immer wieder Fragen und Probleme auftreten, die alle beschäftigen, ohne dass es bereits ein adäquates Fortbildungsangebot gibt. Diese Fragen und Probleme aufzugreifen, gehört ebenfalls zur Aufgabe der koordinierenden Stelle.

Ein Beispiel aus dem Projekt Knotenpunkte in Trier: Basierend auf den Fragen und Interessen der Lernbegleitungen vor Ort wurden in Kooperation mit Expert*innen vor Ort verschiedene Veranstaltungen angeboten, u.a. zu den Themen „Strategien zum Schreibenlernen“ und „Schrift im Alltag erleben“. Dabei ging es neben inhaltlichen Aspekten zu Schwierigkeiten beim Erwerb der Schriftsprache und zu Strategien, diese im Erwachsenenalter noch zu erlernen, auch um den Austausch der Lernbegleitenden untereinander.

Der Erfolg eines Lernbegleitsystems steht und fällt mit gut vorbereiteten Ehrenamtlichen, die über didaktische und methodische Kenntnisse verfügen, die über die Lebenslagen, Motivationsfaktoren, aber auch Frustrationserfahrungen der Lernenden im Bilde sind und die auf Herausforderungen im Verlauf der Zusammenarbeit angemessen reagieren können. Dazu müssen sie vor und während ihrer Tätigkeit angemessen geschult, weitergebildet, beraten und begleitet werden. Um sich bei der ressourcenaufwendigen Ehrenamtsbegleitung zu entlasten, empfiehlt es sich, externe (Schulungs-)Angebote, Konzepte, Materialsammlungen etc. zu kennen und zu nutzen.

Weiterführende Materialien

2019 wurden die Zahlen und Fakten der aktuellsten Leo-Studie veröffentlicht. Hier können Sie nochmals die wichtigsten Informationen gebündelt nachlesen, die Sie auch zur Weitergabe an Ehrenamtliche bereit halten können: Grotlüschen, Anke; Buddeberg, Klaus; Dutz, Gregor; Heilmann, Lisanne; Stammer, Christopher (2019): LEO 2018 – Leben mit geringer Literalität. Pressebroschüre, Hamburg. Online verfügbar unter: http://blogs.epb.uni-hamburg.de/leo

In unserer Themenwelt Alltag mit Lese- und Schreibschwierigkeiten haben wir Faktenwissen zu Alphabetisierung und Grundbildung für Sie gebündelt.

Weiterführende Informationen, Wissensdossiers und Materialien zu Grundbildung finden Sie auf www.grundbildung.de



Autorenbild

Die Inhalte dieser Themenwelt wurden in Kooperation mit dem BMBF geförderten Projekt Knotenpunkte für Grundbildung (ehemals Projekt APAG) entwickelt. Sie sind angelehnt an die Handreichung „Aufbau und Entwicklung eines ehrenamtlichen Lernbegleitsystems. Praxishandbuch für Institutionen“ aus dem Jahr 2018. Das Projekt wird durch die Stadt Trier umgesetzt. Ansprechpartner*innen sind unsere Expertinnen Dr. Nina Krämer-Kupka und Annelie Cremer-Freis. Maßgeblich beteiligt an der Handreichung war zudem Dr. Susanne Barth.

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Welche Erfahrungen haben Sie mit der Qualifizierung von Ehrenamtlichen gemacht? Haben Sie weitere gute Tipps? Dann teilen Sie diese gerne hier in den Kommentaren.