Wer hilft mir dabei? Beratung und Unterstützungsmöglichkeiten

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An wen kann man sich in Deutschland wenden, wenn man eine Rückkehr plant? Wo kann man sich informieren und welche Anlaufstellen sind die richtigen? Diese Lektion bündelt die wichtigsten Informationen darüber.

© iStock / Getty Images Plus / fizkes

Nachdem Ferhad von seinen Überlegungen erzählt, in den Irak zurückzukehren, ist Gabi erstmal ziemlich überfragt. Einerseits macht sie sich Gedanken darüber, ob das wirklich eine gute Idee ist, und ob sie nicht noch etwas tun kann, um Ferhads Situation in Deutschland zu verbessern. Andererseits weiß sie auch einfach sehr wenig über die Möglichkeiten einer Rückkehr und hat lauter Fragezeichen: Wie geht das überhaupt? Wer bezahlt das? Was soll Ferhad im Irak machen, und was heißt das für seine Zukunft? Sie beginnt, sich zu informieren und stößt im Internet auf einen kurzen Erklärfilm von der IOM, der Internationalen Organisation für Migration, und vom BaMF, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Dann hangelt sie sich nach und nach von einer Seite zur nächsten und nimmt sich vor, ein Beratungsgespräch zu besuchen.



Erklärfilm zur freiwilligen Rückkehr

Video Preview

Dieser Erklärfilm ist hier auch in anderen Sprachen verfügbar. Im Film wird eine Beratung empfohlen. In dieser Lektion werden wir der Empfehlung zur Beratung folgen.

Beratungsstellen in Deutschland

Es gibt in Deutschland eine Vielzahl an Beratungsstellen:

Auf dem Infoportal des IOM und des BAMF können Sie Ihre Postleitzahl eingeben und direkte Ansprechpartner*innen in der Umgebung finden. Dort erfahren Sie auch, ob es sich jeweils um staatliche oder unabhängige Stellen handelt. Dabei beraten alle Stellen auf der gleichen Informationsgrundlage. Sollte es dann tatsächlich dazu kommen, dass gewisse Angebote in Anspruch genommen werden, arbeiten die unabhängigen Stellen letztlich wiederum mit den staatlichen zusammen.

Um sich noch vor der Beratung einen Überblick zu verschaffen und sich ggf. auf ein Beratungsgespräch gut vorbereiten zu können, helfen die Informationen auf einigen Internetseiten, etwa der vom BAMF. Dort gibt es auch eine Rubrik zu häufig gestellten Fragen, die ein gutes Gefühl dafür geben, welche Fragen sich im gesamten Prozess überhaupt stellen. Auch finden sich viele Informationen rund um die Ausreise auf https://www.startfinder.de/de/startseite.


Wichtig: Eine Beratung zieht keine zwangsläufigen Maßnahmen nach sich und niemand verpflichtet sich dadurch zu etwas oder verzichtet auf bestimmte Rechte. (Außer: Bei erneuter Einreise nach Deutschland nach der Rückkehr müssen die zur Ausreise erhaltenen Leistungen zurückgezahlt werden!) Es empfiehlt sich, dass Sie sich als den Prozess unterstützende Person gegebenenfalls erstmal selbst erkundigen oder sogar beraten lassen, und dann die Person, die an einer Rückkehr in ihr Herkunftsland interessiert ist, zu einem Beratungstermin begleiten!

Für eine Orientierung über den gesamten Prozess hinweg kann die folgende Liste einen Überblick geben beziehungsweise eine Art Leitfaden sein, über welche Aspekte Sie gemeinsam mit der von Ihnen unterstützten Person sprechen sollten. Wenn möglich, sind folgende Grundlagen anzustreben:

  • suchen Sie nach einer ergebnisoffenen und individuellen Beratung
  • treffen Sie eine informierte Entscheidung, wenn möglich aus einem gesicherten aufenthaltsrechtlichen Status heraus
  • versuchen Sie zu erreichen, dass der Zeitpunkt so weit wie möglich selbstbestimmt gewählt werden kann
  • erkundigen Sie sich nach der Möglichkeit von „go & see“-Besuchen (eher unwahrscheinlich)
  • beantragen Sie organisatorische und finanzielle Unterstützung für die Ausreise
  • ermöglichen Sie die Teilnahme an Bildungsangeboten vor und/oder nach der Rückkehr
  • suchen Sie nach nachhaltigen Reintegrationshilfen
  • haben Sie die psychische Gesundheit der beteiligten Personen im Blick, auch nach der Rückkehr − und auch Ihre eigene

Die Internetseite des BAMF bietet auch einen Überblick über die Programme, die eine Rückkehr unterstützen können. Hier gibt es Angebote direkt vom Bund, aber auch von einigen Ländern. Zudem kann man das jeweilige Herkunftsland eingeben und sehen, welche Programme hier in Frage kommen und in welchem Bundesland.

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Die GIZ unterstützt an verschiedenen Stationen des Rückkehrprozesses – von der Vorbereitung in Deutschland bis hin zum Neustart im jeweiligen Herkunftsland. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Trägern, wie auch dem DVV, werden Maßnahmen zur beruflichen Qualifizierung für Rückkehrende angeboten. Dazu zählen Existenzgründertrainings, Fremdsprachen- und IT-Kurse und vieles mehr. Außerdem gibt es in ausgewählten Kommunen und bei kirchlichen und sozialen Trägern wie Caritas oder AWO sogenannte Reintegrations-Scouts. Sie schlagen eine Brücke zwischen der Rückkehrberatung in Deutschland und bestehenden Angeboten in den Herkunftsländern. Diese Scouts stellen Kontakte zu Anlaufstellen in den jeweiligen Ländern her und informieren zu Beschäftigungsperspektiven und Angeboten vor Ort – etwa Existenzgründerberatungen oder Aus- und Weiterbildungen. Mehr darüber erfahren Sie in den Lektionen "Den Blick nach vorn? Perspektiven entwickeln" und "Alles auf Anfang? Reintegration im Herkunftsland".

Eigene Grafik, angelehnt an IOM, AVRR Key Highlights 2017.

IOM - Die Internationale Organisation für Migration

Die IOM ist die größte international agierende Organisation im Kontext der “freiwilligen Rückkehr”. Sie arbeitet mit Regierungen, zwischenstaatlichen und internationalen Institutionen, aber auch Nichtregierungsorganisationen zusammen. Daher hat die IOM nicht nur in Deutschland Büros, sondern weltweit in über 100 Ländern. So greifen im Optimalfall die Beratungen vor und nach der Rückkehr ineinander und die IOM begleitet die Menschen über einen längeren Zeitraum, wie in der Grafik in den drei Abschnitten dargestellt.

REAG/GARP

Das REAG/GARP ist in Deutschland das wichtigste und umfangreichste Programm, das bei der sogenannten freiwilligen Rückkehr unterstützen soll. Es wird von der IOM durchgeführt und setzt sich aus Hilfen von Bund und Ländern zusammen. REAG steht (übersetzt) für “Reintegration und Emigrationsprogramm für Asylsuchende in Deutschland”, und GARP für “Durch die Regierung unterstütztes Programm zur Repatriierung”. Eine Beteiligung am Programm läuft in der Regel nach folgendem Prozess ab:

Grafik: https://www.returningfromgermany.de/de/programmes/reag-garp

Im Programm REAG/GARP gibt es unterschiedliche Arten der Unterstützung und Hilfe, die Rückkehrende (abhängig von der Staatsangehörigkeit) erhalten können. Versuchen Sie zu erraten, welche diese sind. Die Lösung erhalten Sie mit der Antwort.

Starthilfe Plus


StarthilfePlus ist ein Programm in Ergänzung zum REAG/GARP-Programm, denn es unterstützt nicht die Reise, sondern die Reintegration im Herkunftsland nach der Reise. Hierbei gibt es vor allem finanzielle Unterstützung, in der Regel in Sachleistungen, z.B. für Miete oder Renovierungen. Die jeweiligen Büros der IOM in den verschiedenen Herkunftsländern sind hierfür die Ansprechpartner und können auch schon vor der Ankunft kontaktiert werden, um zum Beispielen einen Termin auszumachen oder auch telefonisch das weitere Vorgehen zu besprechen.


Faktenwissen rund um Ein- und Ausreiseländer

Was denken Sie? Aus welchen drei Ländern sind die meisten Menschen mit Unterstützung der oben genannten oder vergleichbaren Programme weltweit zurück migriert?
In welche Länder sind die meisten Menschen zurückgekehrt, beziehungsweise aus welchen Ländern sind sie ursprünglich gekommen? Wählen Sie drei Antwortoptionen.

In der folgenden Übersicht erfahren Sie, welche Länder zu den Top Ten der Gast- bzw. Transitländer gehören und welche zu den Top Ten der Herkunftsländer, die an Programmen zur unterstützten Rückkehr und Reintegration teilnehmen. Schauen Sie nach, ob das betreffende Land, über das Sie sich informieren möchten, dabei ist.

Quelle: Vereinte Nationen, https://www.un.org/sites/un2.un.org/files/wmr_2020.pdf

Wenn das Land, zu dem Sie Informationen suchen, nicht dabei ist, können Sie hier prüfen, ob das betreffende Land an solchen Programmen teilnimmt.

Unterstützung gibt es abhängig von einigen Faktoren, wie z.B. dem Herkunftsland, in verschiedener Form. Eine Beratung ist in jedem Fall sinnvoll und auch telefonisch niedrigschwellig und anonym möglich. Wichtig ist, sich früh einen Überblick darüber zu verschaffen, an welcher Stelle es für wen und von wem Unterstützung geben kann. Diese Informationen zu haben, kann hilfreich sein, schon bevor konkrete Überlegungen und Entscheidungen zu einer eventuellen Rückkehr getroffen werden! Wichtig: Eine Beratung in Anspruch zu nehmen, hat keine Auswirkungen auf den Aufenthaltsstatus oder ähnliches.


Weiterführendes Material

Ausführliche und fundierte Informationen über die Hauptherkunftsländer vieler Geflüchteten erfahren Sie in der Themenwelt "Herkunftsländer – Was muss ich wissen?"

In der Themenwelt "Fluchtursachen, Wege und Erfahrungen" erfahren Sie die Hauptursachen und Entwicklungen, die Menschen zur Flucht nach Europa und Deutschland bewegen.




Autorenbild

Jannik Veenhuis hat Islamwissenschaften und Geschichte studiert und arbeitet als Referent und Moderator zu den Themen Migration, Integration, Islam und gesellschaftliche Debatten. Er war für den DVV und DVV International als Experte und Trainer an der Konzeption und Umsetzung der Lehrkräfte-Fortbildung „Bildungsbrücken bauen – interkulturellen und psychosozialen Herausforderungen im Unterricht mit rückkehrinteressierten Geflüchteten kompetent begegnen“ beteiligt. Für das im Rahmen des BMZ-Programms „Perspektive Heimat“ durch die GIZ geförderte Projekt „Bildungsbrücken bauen – Weiterbildung für Rückkehrer*innen“ hat er auf dem vhs-Ehrenamtsportal die Themenwelt „Rückkehr ins Herkunftsland“ erstellt.

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Beratungsstellen in Deutschland

Haben Sie bereits mit Menschen, die über eine mögliche Rückkehr ins Herkunftsland nachdachten, eine der erwähnten Beratungsstellen in Deutschland besucht? Wenn nicht, warum haben Sie sich dagegen entschieden? Wenn ja, hat die Beratung geholfen, eine Entscheidung zu treffen? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit.

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