Meine Rolle als Sprachvermittler*in

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Viele Ehrenamtliche engagieren sich in der Sprachvermittlung. Die Spielarten der Sprachvermittlung können dabei ganz unterschiedlich sein; so gibt es informelle Sprachkurse, Sprachcafés, Sprachtandems, andere begleiten bei Terminen, pauken Grammatik oder lernen neue Wörter. Welche Vermittlungsform passt am besten zu Ihnen und wie sollte ich vorbereitet sein, um Sprache geschickt zu vermitteln?


Sollten Sie sich die Frage stellen, welche der vielen Formen der Sprachvermittlung denn nun für Sie die richtige ist, drehen Sie den Spieß doch einfach um: Welche Form der Sprachvermittlung wird in meiner Umgebung schon angeboten? Eine Vielzahl an Initiativen hat es in den letzten Jahren mit viel Engagement geschafft, eine bemerkenswerte Vielfalt an Sprachangeboten für Geflüchtete aufzubauen. Oft können Sie ganz unverbindlich bei einem gemeinsamen Treffen vorbeischauen. Dort sehen Sie ganz praktisch, ob Sie sich auf ein Engagement einlassen wollen und das Angebot auch Ihren Vorstellungen entspricht.

Voraussetzungen

 Diese Rolle der Sprachmittler*in könnte etwas für Sie sein, wenn:  

Sie Spaß an Sprache haben // Sie vielleicht schon Vorerfahrungen in der sprachlichen Lernbegleitung vorweisen // Sie gerne erklären // Sie eine Initiative ausfindig gemacht haben, die sich schon in der Sprachvermittlung engagiert    

Praxisbeispiel: Erfolg im Sprachcafé

Wir haben ein Gespräch mit Petra geführt, die sich in einem Sprachcafé für Geflüchtete einsetzt:

Natürlich variieren die Angebote auch in ihrer Verbindlichkeit. Ein Sprachcafé, so wie es Petra aus unserem Interview organisiert, ist für die Teilnehmenden eher unverbindlich und verpflichtet zu keiner weiteren Teilnahme. Hier gruppieren sich Interessierte so, dass sie sich in einer Sprache unterhalten. Dies kann Deutsch sein, aber vielleicht gibt es bei dem Zusammenkommen auch einen Tisch, in denen Sie Ihre Arabischkenntnisse aufpolieren können oder Ihr Russisch zur Anwendung kommt. Hier kommen Menschen also lockerer und informeller in Kontakt miteinander – wir bewegen uns also weitab von möglichen Curricula und Prüfungsszenarien. Gerade dies bietet die Gelegenheit, befreit aufzuspielen und das Erlernte hier anzubringen! Sie sehen: Nicht nur Geflüchtete profitieren von einem Sprachcafé, auch Ehrenamtliche können sich hier vernetzen, Sprachen ausprobieren und Menschen kennenlernen.  

Sprachcafé: Eigene Rolle

Wenn wir ein Sprachcafé besuchen, ist die eigene Rolle nicht immer klar definiert. Dieses beschreibt Petra im Interview. Unverbindlichkeit und informeller Kontakt sind ja gerade das Gegenteil von schulähnlicher Struktur und klarer Lehrenden-Lernenden Konstellationen. Natürlich können wir, wenn wir wollen, unsere Rolle klarer definieren und dieses auch kommunizieren. Dies kann den Kontakt manchmal vereinfachen.  

Abgrenzung zum Dolmetschen

Denken Sie bei der Sprachvermittlung, egal in welcher Form diese stattfindet, dass Sie nicht dolmetschen. Denn dolmetschen, das tun Dolmetscher*innen. Dies ist ein Berufsstand, welcher ein Studium an der Universität verlangt. Wenn wir zwei Sprachen sprechen, können wir natürlich behelfsmäßig zwischen diesen beiden Sprachen wechseln, das Dolmetschen basiert auf einer präzisen Übertragung von Sinn und Bedeutung. Neben der entsprechenden Fachmethodik und einem muttersprachlichen Niveau in beiden Sprachen benötigen wir auch eine genaue Kenntnis um das zu besprechende Thema – und das alles unter Zeitdruck.

Und nun? Was bedeutet dies für das Ehrenamt? Erst einmal eine Entlastung! Denn wir müssen nun gar nicht für die absolute Richtigkeit und Präzision der Sprachvermittlung gerade stehen – wir können es (sprich: sind nicht qualifiziert) schließlich nicht. Dafür können wir aber vieles anderes! Wir können begleiten und wir können helfen, wo es sonst keine andere Person tut. Im Gegensatz zu*r Dolmetscher*in sind wir dabei nicht parteilos, sondern bewegen uns in der Begleitung auf Seiten der Geflüchteten. Und na klar, dies ist ein interessegeleitetes Begleiten und bedeutet ein sich Einsetzen für eine Person. Dies steht der berufsstandsmäßigen Neutralität des Dolmetschens entgegen.   

Tipp: Schauen Sie sich in Ihrer Umgebung um, ob eine größere Organisation vielleicht einen kurzen Kurs in der Sprachvermittlung anbietet. Dies kann eine gute Gelegenheit bieten, die eigene Rolle in der Sprachvermittlung noch einmal gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen zu reflektieren und die Grenzen der eigenen Tätigkeit einzuschätzen.  

Entlastung durch Teamarbeit


Petra spricht im Interview über bedrückende Ereignisse im Leben der Geflüchteten, die auch die Ehrenamtlichen nicht kalt zurück lassen. Wie gehen wir am besten mit solchen Situationen um? Petra hat eine gute Reaktion gefunden: Sie sprechen im Team darüber und reflektieren gemeinsam. Hier muss also niemand alleine reagieren und etwas meistern, sondern eine gemeinsame Reaktion wird behutsam und mit Bedacht erarbeitet. Nutzen Sie solche Gemeinschaften und verteilen Sie Verantwortung auf mehrere Schultern!

Im Tandem: Gemeinsames Ziel


Eine Sprache lernen und sprechen – das gehört zusammen! Zwei Menschen  mit verschiedenen Muttersprachen und die Lust, die jeweils andere  Sprache zu lernen, so funktioniert das Lernen im Tandem. Was wird noch benötigt? Ein wenig Zeit  für regelmäßige Treffen, Interesse, neue Menschen kennen zu lernen und  mit ihnen zu plaudern. Hier ist es wie beim Sport: nur Kontinuität führt zum Erfolg. Streben Sie an, sich regelmäßig zu treffen. Die Art der Verabredungen  kann dabei ganz unterschiedlich sein: Kaffee trinken, Essen gehen,  gemeinsame Ausstellungsbesuche. Tipp für Menschen mit wenig Zeit: Treffen Sie sich zu Alltagsaktivitäten, die sowieso erledigt werden müssen. Z. B.  der gemeinsame Wocheneinkauf, der Hundespaziergang oder der Ausflug zum  Spielplatz. Praktischer Nebeneffekt ist hier: Die passenden Vokabeln  dazu lernen sich quasi nebenbei.

Sie haben Interesse hieran, nur noch keine*n Tandempartner*in? Gar kein Problem - denn das VHS-Tandem der Volkshochschule Hamburg bietet hierfür einen genialen, kostenfreien Service an! Schauen Sie auf deren Website www.vhs-tandem.de/ vorbei, registrieren Sie sich und geben dabei Ihre Muttersprache an oder eine andere Sprache, die Sie (nahezu) perfekt beherrschen. Dazu noch eine Angabe darüber, in welcher Sprache Sie sich gerne unterhalten wollen. Wenn Sie wollen, können Sie auch ein sympathisches Bild von sich hinzugefügen - und los geht's.

Im Idealfall stimmt alles: Die Tandempartner finden sich sympathisch, können miteinander mühelos über Gott und die Welt reden und lernen  dadurch mit viel Spaß die jeweilige Zielsprache. Da in der Realität aber  nicht immer alles ideal ist, könnte es natürlich auch anders laufen.  Deshalb unser Rat: Sprechen Sie Probleme gezielt an! Redet der andere zu oft  doch in seiner Muttersprache? Fühlen Sie sich zu wenig/zu viel  korrigiert? Langweilen die Themen? Ansprechen - denn dafür ist das Tandem ja da!

Praxisbeispiel: Auf Fahrradtour

In der Reihe "Gemeinsam unterwegs" berichtet das Ehrenamtsportal über Ehrenamtliche und ihr Engagement. Dieses Mal zeigen wir Lara, Studentin aus Bonn, die sich in der Initiative für Flüchtlinge (IfF) (https://www.facebook.com/initiativefuerfluechtlingebonn/) engagiert. Die IfF hat sich gemeinsam mit Geflüchteten zu einem Fahrradausflug getroffen und wir waren dabei! Lara hat uns einen Blick hinter die Kulissen gewährt und uns unter anderem mehr über ihre Motivation und ihr Engagement erzählt.

Video Preview

Sie haben nun die Rolle als Sprachvermittler*in ein  wenig kennengelernt. Was können Sie als Hintergrundinformationen für  Ihre ehrenamtliche Tätigkeit mitnehmen?   

► In der Sprachvermittlung gibt es vielfältige Formen (z.B. Sprachkurse, Sprachcafés, Tandems usw.).
► Sprachvermittlung ist kein Dolmetschen! Letzteres ist ein Berufsstand und erfordert ein abgeschlossenes Studium.
► Die ehrenamtliche Sprachbegleitung ist auch ein sich Einsetzen für Geflüchtete.
► Knüpfen Sie Kontakte und schauen Sie sich schon bestehende Sprachangebote an, dies kann den Einstieg erleichtern.
Reflektieren Sie in Teams das Erlebte – dies gibt Ihnen Raum für die gemeinsame Reflexion.
  • Unsere Themenwelt "Deutsch lernen" empfiehlt sich für alle, die sich mit der Sprachvermittlung beschäftigen wollen. Eine absolute Lese- und Sehempfehlung!
  • Das vhs Ehrenamtsportal bietet in den Sprachmodulen jede Menge Material für ein wunderbares Lehr- und Lernerlebnis an. Einfach runterladen und weiterkommen!
  • Diese Facebook-Gruppe zum Thema Deutsch als Fremd- und Zweitsprache dient  dient dem Austausch von Fragen und Materialien. In dieser Gruppe herrscht ein freundlicher, hilfsbereiter und offener Ton.
  • Lernox.de bietet  jede Menge kostenfreie Lehrmaterialien an. Diese Plattform vereint diese Materialien, welche es an verschiedenen Stellen des Internets gefunden hat, an einem Ort, verschlagwortet sie didaktisch und bietet sie allen Interessierten an. Lehrende und Lernende  können die Materialien in jeder Lernsituation - im Unterricht, beim  selbständigen Lernen oder im Sprachaustausch - sowie im eigenen Lerntempo einsetzen. 


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