Grundbedürfnisse stillen und den Alltag meistern

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Was sind Grundbedürfnisse? Welche besondere Bedürfnisse haben geflüchtete Menschen? In dieser Lektion möchten wir Sie darauf aufmerksam machen, welche Faktoren und Bedürfnisse zu einem erfüllten Alltag dazu gehören. Wie können Sie als Ehrenamtliche*r dabei unterstützen, diese zu stillen und so die Teilhabe im Alltag fördern und ermöglichen?

Was sind Grundbedürfnisse?

Besonders für Menschen, die als Geflüchtete aus anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind, kann das Befriedigen von Grundbedürfnissen und anderen Bedürfnissen am Anfang noch schwierig sein. Doch welche Grundbedürfnisse gibt es überhaupt?  

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Grundbedürfnisse

Damit wir uns im Alltag in der Gesellschaft wohl fühlen, müssen manche Bedürfnisse erfüllt sein. Um leben zu können, braucht jeder Mensch ein Dach über dem Kopf, Nahrungsmittel, Kleidung und gesundheitliche Versorgung. Diese Bedürfnisse nennt man Grundbedürfnisse. Um diese zu stillen, braucht man wiederum finanzielle Mittel: Im besten Fall hat man einen Job, der es möglich macht, eine Wohnung zu bezahlen, einkaufen zu gehen, krankenversichert zu sein und auf die eigene Gesundheit achten zu können. Doch das Befriedigen von Grundbedürfnissen kann in der Ankunftsphase für Geflüchtete sehr schwierig sein: Asylbewerber dürfen nicht sofort arbeiten, wenn sie in Deutschland angekommen sind. Wie werden also ihre Bedürfnisse gestillt? 

Bild: Myriam Zilles auf Pixabay

Die Gesundheitsversorgung beruht in Deutschland auf einer Krankenversicherung. Menschen, die in Deutschland Asyl suchen, sind zunächst nicht krankenversichert. Deshalb gewährleisten staatliche Stellen ihre gesundheitliche Versorgung. Das sind beispielsweise das Sozialamt oder das Gesundheitsamt. Wie die medizinische Versorgung für Geflüchtete in Deutschland gewährleistet wird, erfahren Sie hier.  

Bild: Photo Mix auf Pixabay

Das Wohnen findet für die meisten Asylsuchenden nach der Ankunft in Deutschland zuerst in Notunterkünften statt und es kann lange dauern, bis man in eine eigene Wohnung einziehen kann. Die Wohnungssuche ist für Asylbewerber*innen – wie auch für Einheimische – oft sehr problematisch. Mehrere Faktoren führen dazu, dass die Wohnungssuche eine echte Herausforderung wird. Für Geflüchtete und Asylbewerber*innen gilt dies insbesondere, da für sie die Wohnungssuche bestimmten Einschränkungen unterliegt. Was das bedeutet, erfahren Sie in unserer Lektion Wohnungssuche - eine Herausforderung.  

In den Notunterkünften erhalten Asylsuchende Lebensmittel für den täglichen Gebrauch. Die Suche nach Kleidungsstücken für sich und die Angehörigen kann an verschiedenen Orten stattfinden. Meist verfügen die Unterkünfte über eine eigene Kleiderkammer, in vielen Städten und Gemeinschaften gibt es neben den üblichen Geschäften von Ehrenamtlichen organisierte Kleidertreffen oder man kann bei den Wohlfahrtsverbänden fündig werden. Eine Lerneinheit zum Thema "Kleider" finden Sie im Portal im Sprachmodul "Alltag".

Welche anderen Bedürfnisse gibt es?

Neben den Grundbedürfnissen hat der Mensch natürlich noch weitere Bedürfnisse, die sich bei jedem in unterschiedlicher Art und Ausprägung zeigen. Worum handelt es sich dabei?  

Konsumbedürfnisse 

Bild: Pexels auf Pixabay

Manche Gegenstände im Alltag sind zwar nicht überlebenswichtig, sie machen jedoch das Leben angenehmer. Das sind beispielsweise Fortbewegungsmittel wie Fahrräder und Autos, Geräte wie Handys, Computer, Fernseher und weitere Elektrogeräte. Dabei handelt es sich um sogenannte Konsum- oder Luxusbedürfnisse

Doch gerade das Handy oder Smartphone ist für viele Zugewanderte die einzige Kommunikationsmöglichkeit mit der Familie im Heimatland oder mit Freunden, die zurückgeblieben sind. Das Handy ist zugleich auch der Speicherort für Fotos von Verwandten oder von der Flucht und ist somit für viele ein unentbehrlicher Begleiter.

Was kann man tun, wenn das Handy nicht gut funktioniert? Wann und wie kann man reklamieren? Was macht man, wenn man das geborgte Fahrrad einer anderen Person beschädigt hat? 

In der Lektion Tipps zum Verbraucherschutz finden Sie wirksame Tipps und hilfreiche Materialien in vielen Sprachen, um die Rechte von Verbraucher*innen geltend zu machen. Im Bereich Sprachmodule finden Sie im Portal unter "Alltag" außerdem eine nützliche Lerneinheit zum Thema "Reparaturen", die sie verwenden können, wenn Sie Geflüchtete als Sprachbegleiter*in unterstützen.  


Kulturelle und soziale Bedürfnisse

Bild: StockSnap auf Pixabay

Manchmal lesen wir ein Buch, hören Musik oder schauen uns einen Film an. Diese Bedürfnisse nach Unterhaltung, Kultur und Bildung nennt man kulturelle Bedürfnisse. Und ja, auch nach den Erfahrungen einer Flucht, eines Krieges, einer Verfolgung, etc. haben Menschen das Bedürfnis nach einem "normalen" Leben. Dazu gehören dann auch der Wunsch nach Bildung, Kultur und Unterhaltung.

Geflüchtete, die die Zugangsvoraussetzung zum Sprachkurs haben, können Deutsch lernen, um Zugang zu weiteren Bildungsangeboten zu erhalten. Dabei kann es dauern, bis die Sprachkompetenzen ausreichend sind. Doch gerade Sprache ist ein wesentlicher Schlüssel zur Integration in die Gesellschaft und dem sich heimisch Fühlen in Deutschland. Wer sich nicht verständigen kann, erfährt wichtige Informationen nicht, ist aus den Geschehnissen im Alltag ausgeschlossen und wird womöglich benachteiligt. Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben beeinflussen den Zugang zu Anlaufstellen, die zu einer Teilhabe an sozialen und kulturellen Angeboten im Alltag führen. 

Sie als Ehrenamtliche können dabei helfen, den Weg in einen Sprach- oder Integrationskurs zu finden oder als Sprachbegleiter*in tätig sein. Es hilft aber auch, gemeinsame Freizeit- und Kulturerlebnisse zu organisieren und natürlich für allgemeine Alltagsfragen zur Verfügung zu stehen. 

Bei dem Wunsch nach Zuwendung und Kontakt spricht man von sozialen Bedürfnissen. Diese werden meist in der Familie, durch Freundschaften oder in der Freizeit, z.B. in Sportvereinen, befriedigt. Menschen, die neu in Deutschland sind und die Sprache noch nicht gut beherrschen, haben jedoch häufig noch nicht so viele soziale Kontakte. 

Viele Geflüchtete haben zudem ein hohes Bedürfnis nach Sicherheit: Sie sorgen sich um die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis bzw. Arbeitserlaubnis in Deutschland, die lange Zeit in Anspruch nehmen kann. Hinzu kommen die Sorgen über die Zustände im Herkunftsland und um Familienmitglieder, die sich womöglich noch in der Heimat befinden. Der bürokratische Aufwand, der für eine Familienzusammenführung nötig ist, nimmt die betroffenen Personen oft seelisch sehr in Anspruch. Darüber hinaus können Ängste oder Traumata auftreten, die es erschweren, sich auf neue Menschen einzulassen.  

Was können Ehrenamtliche tun?

Wie kann man als Ehrenamtliche*r Teilhabe im Alltag fördern und ermöglichen? Wie kann man den Alltag so gestalten, dass soziale Kontakte entstehen und man am Alltagsgeschehen teilnimmt? Dieses Thema behandeln wir in der Lektion "Freizeit im Alltag gestalten".    

Sie als ehrenamtliche*r Begleiter*innen können eine sehr wichtige Rolle spielen und als Türöffner*innen zur Teilhabe am Alltag und in der Gesellschaft dienen. Wir unterstützen Sie dabei. In den folgenden Lektionen haben wir für Sie wichtige Informationen gebündelt, die Ihnen und den Menschen, die sie begleiten, den Umgang mit alltäglichen Fragen zu den Bereichen Gesundheit, Wohnungsmarkt, Verbraucherschutz und Freizeitgestaltung erleichtern sowie Anlauf- und Beratungsstellen nennen, die im Lebensalltag wichtig sind. Außerdem geben wir Ihnen einen Einblick darin, wie für Geflüchtete gesellschaftliche Teilhabe durch Übernahme eines Ehrenamts erfolgen kann. Schauen Sie in die nächsten Lektionen herein.

Gemeinsam unterwegs – Im Kleidertreff mit Margareta

Am Ende dieser Lektion möchten wir über die Ehrenamtsinitiative "Weitblick" in Hückeswagen bei Wuppertal berichten. An diesem offenen Begegnungsort kommen Geflüchtete und Ehrenamtliche auf Augenhöhe zusammen. In der Begegnungsstätte werden viele Bedürfnisse auf einmal und unter einem Dach abgedeckt: Regelmäßige Frauensprachangebote, parallele Kinderbetreuung und die Möglichkeit, sich günstig einzukleiden. Auf soziale Bedürfnisse wird beim offenen Kleidertreff zusätzlich eingegangen. Es gibt außerdem eine Nähwerkstatt und einen Computerraum und es werden Kino- und Tanznachmittage angeboten. Wir haben die Ehrenamtskoordinatorin Margarete getroffen und Sie gefragt, wie das alles gelingen kann.

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Aurora Distefano ist Referentin für Redaktion und kümmert sich um die Inhalte im Portal. Die Inhalte dieser Lektion hat sie für Sie recherchiert und redigiert. Sie ist Sprach- und Literaturwissenschaftlerin mit einem DaF/DaZ Weiterbildungsstudium und hat langjährige Erfahrung im Bildungsbereich als Dozentin für Italienisch und Deutsch.   

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Alltag in Deutschland

Welches sind für Sie die Meilensteine, die erfüllt werden müssen, um davon sprechen zu können, einen ausgefüllten Alltag in Deutschland zu haben? Wie können Sie als Ehrenamtliche Neuzugewanderte dabei unterstützen? Gibt es Besonderheiten, die wir in dieser Lektion vergessen haben? Hinterlassen Sie uns Ihre Meinung im Kommentarfeld. Wir freuen uns darauf!

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