Neue Einsatzfelder in Alphabetisierung und Grundbildung

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Wie können Sie sich im Bereich Grundbildung ehrenamtlich engagieren? Welche Arten der Unterstützung gibt es? Welche Handlungsmöglichkeiten haben Sie? Erfahren Sie hier mehr über mögliche Einsatzfelder und Aufgaben!

Ehrenamtliches Engagement im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung ist bisher eher ein Nischenthema, zumindest im Vergleich mit dem Engagement für Sport und Bewegung. Auch professionelle Strukturen und Bildungsanbieter in der Grundbildung berücksichtigen Ehrenamtliche nur in einzelnen Ansätzen. Doch wie alle gesellschaftlichen Bereiche differenziert sich das bürgerschaftliche Engagement in Deutschland immer weiter aus und auch kleineren, hochspezialisierten Organisationen gelingt es mittlerweile, Engagierte für ihre Anliegen zu gewinnen.

Auch wenn das Engagement Ehrenamtlicher in der Alphabetisierung und Grundbildung bislang nicht besonders verbreitet und ausdifferenziert ist, besteht ein enormes Potenzial darin – insbesondere, weil der Kontakt zu den unterstützten Personen auf einer eher freundschaftlichen Ebene, in der Freizeit und fernab von Lernorten erfolgen kann.

Sie als Ehrenamtliche*r können dabei ganz unterschiedliche Rollen und Aufgaben übernehmen. Mögliche Einsatzfelder, in denen Sie sich engagieren könnten, haben wir in dieser Lektion für Sie zusammengefasst.

Ansprache & Information


Oft sind Ehrenamtliche diejenigen Personen, denen sich Betroffene anvertrauen und die als mitwissendes Umfeld zu wichtigen Wegweisern und sprichwörtlichen Brückenbauer*innen werden können. Durch die Ansprache und Information über Beratungsangebote können Sie als Ehrenamtliche*r große Wirkungsmöglichkeiten auf Lernende haben. Dies ist nämlich der wichtige erste Schritt, ohne den ein nächster Schritt meist nicht erfolgen wird. Denn vielen Betroffenen ist nicht bewusst, dass es auf ihre Bedarfe zugeschnittene Lernangebote gibt. Diese Kluft zwischen nonformaler Erwachsenenbildung und Betroffenen können Sie als Ehrenamtliche*r überwinden, indem sie den Kontakt zu Bildungsanbieterinnen und -anbietern herstellen.

Alltagshilfe bei schriftsprachlichen Angelegenheiten


Als Ehrenamtliche*r unterstützen und stärken Sie Menschen mit Alphabetisierungs- und Grundbildungsbedarf häufig bei ganz konkreten schriftsprachlichen Anforderungen im Alltag wie z.B. bei Antragsstellungen für Jobcenter, Schulen, Kindergärten oder bei der Kommunikation mit Ärztinnen und Ärzten, Ämtern und Behörden. Diese Hilfe ist eher sporadisch und situationsabhängig und löst erst einmal das zu dem Zeitpunkt vordergründige Problem. Diese Art der Unterstützung geschieht meist im privaten Umfeld, wird unter anderem aber auch von Mehrgenerationenhäusern angeboten.

1 zu 1 Lernbegleitung

Die Einzelförderung ist eine bewährte Art des ehrenamtlichen Engagements im Bereich Grundbildung. Hierbei unterstützen Ehrenamtliche einzelne Personen (1 zu 1) dabei, ihre Lese- und Schreibkompetenzen zu verbessern. Dies kann zum Beispiel im Rahmen eines Grundbildungszentrums, eines Mehrgenerationenhauses oder einer Volkshochschule geschehen. Ein gelungenes Beispiel, wie diese Art der Begleitung aussehen kann, finden Sie in der Lektion Individuell unterstützen mit der 1 zu 1 Lernbegleitung.

Lernbegleitung in Gruppen


Ehrenamtliche Lernbegleiter*innen werden in Lerngruppen im Rahmen des Quartiersmanagements, in Mehrgenerationenhäusern und Familienzentren sowie in Lerncafés oder Grundbildungszentren aktiv und ergänzen häufig professionelle Lehrkräfte. Dort unterstützen sie Lernende beispielsweise bei der Nutzung digitaler Angebote wie dem vhs-Lernportal oder bei den von der hauptamtlichen Lehrkraft gestellten Aufgaben. In diesem Einsatzfeld agieren Ehrenamtliche vorwiegend nicht alleine. Es gibt aber auch Lerngruppen, die nur von Ehrenamtlichen angeleitet werden, wie zum Beispiel das Praxisbeispiel Grundbildung im Sozialraum (GrubiSo).

Vorlesepatenschaft / Family Literacy


Als Vorlesepat*innen zum Beispiel der Stiftung Lesen begleiten Ehrenamtliche Kinder und teilweise ganze Familien im Rahmen familienorientierter Grundbildung und eröffnen ihnen somit einen Zugang zum Lesen, zu Geschichten und Büchern. Ehrenamtliche werden zu wertvollen Lese- und Schreibvorbildern, die gerade in den ersten Lebensjahren entscheidend für den späteren Schriftspracherwerb sind.

Mentoring in Betrieben

Arbeitsplatzorientierte Projekte in der Grundbildung, wie zum Beispiel das Projektvorhaben Mento, setzen auf ehrenamtliches Engagement. Das Projekt bildet Mitarbeitende in Betrieben auf freiwilliger Basis zu Mentorinnen und Mentoren aus. Diese sprechen von Lese- und Schreibschwierigkeiten betroffene Kolleginnen und Kollegen an, informieren über Lern- und Beratungsangebote und stehen als Ansprechpartner*innen bereit. Im Betrieb machen sie auf das Thema aufmerksam und übernehmen zum Teil auch die Funktion von Lernberater*innen.

Öffentlichkeitsarbeit – Die Werbetrommel für Bildungsangebote rühren

Als Ehrenamtliche*r können Sie Einrichtungen und Projekte bei öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen unterstützen, indem Sie z.B. als Multiplikator*innen und Multiplikatoren auf Lern- und Beratungsangebote hinweisen oder allgemein auf das Thema Alphabetisierung und Grundbildung aufmerksam machen. Dadurch, dass Sie das Thema mit in die Öffentlichkeit tragen, können sie dabei behilflich sein, die Gesellschaft insgesamt für dieses Themenfeld zu sensibilisieren.


Mit einem Engagement im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung können Sie als Ehrenamtliche*r betroffene Personen dabei unterstützen, ihre Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen anzugehen. Sie können außerdem über Lernangebote informieren und motivieren, diese auch anzunehmen. Auf diese Weise helfen Sie anderen dabei, neue Perspektiven einzunehmen und eröffnen Möglichkeiten der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und im Beruf.


Autorenbild

Die Inhalte dieser Lektion entstammen der Redaktion des vhs-Ehrenamtsportals. Mehr über unser Projekt erfahren Sie hier.