Warum fliehen Menschen? – Überblick und Faktencheck

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Die Gründe für eine Flucht sowie die Routen, die Geflüchtete zurücklegen, können sehr unterschiedlich sein. Genauso wie die gängigsten Vorurteile gegenüber Geflüchteten. Hier wollen wir Ihnen mit dem Faktencheck gut recherchierte Gegenargumente liefern und mit Ihnen Grundlagenwissen zum Thema Flucht aufbauen.

Das Thema Flucht: Ein Überblick

Die Zahl der Menschen, die vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen, war noch nie so hoch wie heute. Ende 2020 lag die Zahl der Menschen, die weltweit auf der Flucht waren, bei 82,4 Millionen – das sind 4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. 2020 ist das neunte Jahr in Folge, in dem diese Zahl der weltweiten Flucht von Menschen gestiegen ist.

Quelle: UNCHR

Gründe für eine Flucht können sehr unterschiedlich sein. Meist sind es Krieg und Gewalt, die Menschen dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen. Immer dabei ist die Angst um das eigene Leben, um das Leben und das Wohlergehen der Kinder, der Familie oder von Freunden. Denn niemand verlässt freiwillig seine Heimat, sein Dorf und seine Wohnung – ohne etwas mitzunehmen und ohne Abschied. Wenn ihr Leben in Gefahr ist, flüchten die Menschen überstürzt und haben meist keine Möglichkeit, Habseligkeiten, Geld oder wichtige Ausweispapiere mitzunehmen.   


Mehr als zwei Drittel der der Menschen kommen aus nur fünf Ländern: Syrien bleibt weltweit das größte Herkunftsland von Flüchtlingen (6,7 Millionen), gefolgt von Venezuela, Afghanistan, Südsudan und Myanmar. Aber auch in vielen anderen Ländern kam es zu vielfachen Fluchtgründen. Der Hunger im Osten Afrikas und im Jemen, Kämpfe im Irak, der Zentralafrikanischen Republik, Burundi, der Ukraine zwingen viele Millionen Menschen zur Flucht.


Warum werden Geflüchete aus Venezuela separat aufgeführt?  "Venezolaner*innen außerhalb ihres Landes auf der Flucht" bezieht sich auf Personen venezolanischen Ursprungs, die in dem Land, in dem sie sich aufhalten, keinen Asylantrag gestellt haben. Damit sind sie formell gesehen keine Asylsuchenden und auch keine Flüchtlinge. Unabhängig von ihrem Status benötigen sie aber wahrscheinlich internationalen Schutz, dürfen u.a. nicht zur Rückkehr gezwungen werden und brauchen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und Unterstützung.



Vorurteile gegen Geflüchtete auf dem Prüfstand


Quelle: ATLAS DER MIGRATION / UNCHR

Vorurteile stören immer wieder das politische Klima in Deutschland in der Flüchtlingsfrage und bleiben hartknäckig erhalten. Der öffentliche Diskurs wird dadurch negativ beeinflusst und beruht auf falschen Annahmen. Denn bei genauer Betrachtung stellt sich häufig heraus, dass diese Vorurteile jeder Grundlage entbehren. Jeder kennt sie und vielleicht wurden auch Sie schon einmal damit konfrontiert?

Mehr zum Umgang mit Vorurteilen finden Sie unter anderem in der Themenwelt "Interkulturelle Kommunikation". 


Der Faktencheck

Testen Sie jetzt Ihr Faktenwissen zu einigen der gängigen Vorurteile und ihren Wahrheitsgehalt! (Der Faktencheck wurde angelehnt an: https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/informieren/faktencheck/) 

Drei Fragen zu den Hauptfluchtursachen seit 2015

Dr. Oliver Piecha und Dr. Florian Pfeil, unsere Experten für Fluchtursachen sowie die Herkunftsländer, berichten uns über die häufigsten Ursachen, die Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat zwingen. Sie beschreiben ebenso Erfahrungen, die Menschen auf ihrer Flucht machen, sowie beliebte Fluchtrouten. Wir haben die wichtigsten Aussagen für Sie zusammengefasst. Schauen Sie rein ins Video!  

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Fluchtrouten verlagern sich


© UNHCR

Menschen auf der Flucht, die versuchen, Europa zu erreichen, tun dies über den Balkan oder von Lybien aus über die zentrale Mittelmeerroute. Jahr für Jahr ertrinken Tausende von Migrant*innen im Mittelmeer oder kommen schon auf dem Weg zur Küste ums Leben. Eine effektive Seenotrettung ist noch nicht vorhanden. Nichtstaatliche Organisationen und Vereine wie z.B. Sea-Eye und Sea-Watch engagieren sich stattdessen für die Rettung von Menschenleben im Mittelmeer.

Je genauer die Kontrollen auf See werden, umso riskanter werden die Versuche, in die EU zu kommen – mit fatalen Folgen, derzeit besonders im zentralen Mittelmeer.

 
Asylsuchende,  die im vergangenen Jahr den Seeweg nach Griechenland wählten, fanden  sich häufig in überfüllten Aufnahmelagern mit langen Wartezeiten wieder.  Wer versuchte, das Meer nach Italien zu überqueren, musste damit rechnen, von der libyschen Küstenwache abgefangen und inhaftiert zu  werden. Immer mehr Menschen wählen daher die Route über das Mittelmeer nach Spanien. Die Ankunftszahlen in Italien sind 2019 gleich geblieben. In Spanien und Griechenland hingegen sind die Zahlen gestiegen.

  • Italien: 23.400 Flüchtlinge und MigrantInnen
  • Spanien: 66.000 Menschen (über See und über Land)
  • Griechenland: 50.500 Flüchtlinge und Migrant*innen

© UNHCR

Binnenvertriebene ― auf der Flucht im eigenen Land

Wenn die Menschen „nur“ in andere Landesteile flüchten und keine Landesgrenze überschreiten, nennt man sie Binnenvertriebene, Vertriebene, oder auf Englisch: internally diplaced persons (IDPs). 

Während die Zahl der Kriege über Ländergrenzen hinweg abnimmt, steigt die Zahl der Länder, in denen das Leben der Zivilbevölkerung innerhalb des Landes von bewaffneten Konflikten einzelner Gruppen, z.B. Drogenkriegen oder Terroranschlägen überschattet wird. Die Zahl der Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes geflohen sind, ist mit 40,3 Millionen Menschen für fast zwei Drittel der Gesamtzahl von 65,6 Millionen Menschen auf der Flucht verantwortlich. Syrien, Irak und weiterhin Kolumbien stehen an der Spitze jener Staaten, die von Binnenflucht und –vertreibung betroffen sind. 


Weiterführendes Material

Der im Juni jeden Jahres erscheinende Global Trends Report vom UNHCR bietet umfassende Zahlen und Fakten zum Thema Flucht, Vertreibung und Staatenlosigkeit. 

Weitere spannende und gut recherchierte Informationen zum Thema Fluchtgründe, Länder und Fluchtgeschichten finden Sie unter: http://fluchtgrund.de/

Zur Balkanroute finden Sie hier spannende Artikel von Pro Asyl.

UNCHR, "Dramatischer Anstieg weltweit: Rekordwert bei Menschen auf der Flucht", Pressemitteilung des UNHCR vom 18. 06.2020


Autorenbild

Diese Themenwelt ist entstanden in Kooperation mit der UNO-Flüchtlingshilfe. Als nationaler Partner des UNHCR mobilisiert die UNO-Flüchtlingshilfe die Menschen in Deutschland, um die weltweite, lebensrettende Arbeit des UNHCR finanziell zu unterstützen. Sie fördert Projekte für Geflüchtete in Deutschland und trägt durch Informationsarbeit über Flucht, Fluchtursachen und -schicksale zur Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft bei.

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